Der tiefe Graben zwischen Velo und Auto «Die Schweiz ist ein Velo-Entwicklungsland»

Zwischen Velofahrern und Automobilisten herrscht in der Schweiz dicke Luft. Mit einer neuen Bussen-Forderung giessen bürgerliche Politiker zusätzlich Öl ins Feuer.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Ärzte des Zürcher Kinderspitals schlagen Homöopathie-Alarm ...
2 Mit Knallkörpern Vandalen beschädigen türkisches Konsulat in Zürich
3 Günstiger und umweltfreundlicher Zürich will Bus mit Batterie testen

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
0 shares
71 Kommentare
Fehler
Melden

Die Rede ist von «Amok-Velofahrern» und «Rowdys»: Für FDP-Politiker Hans-Peter Portmann (53) und seine bürgerlichen Nationalratskollegen sind die Velofahrer im Strassenverkehr ein rotes Tuch.

Mit der Forderung, Pedalentreter in Zukunft für Verkehrssünden gleich hoch zu büssen wie Automobilisten, haben die Politiker in ein Wespennest gestochen. Während Velofahrer über solche Absichten nur den Kopf schütteln können, jubeln die Automobilisten.

«Bis es der letzte Velo-Rowdy begriffen hat»

Der Artikel aus dem heutigen BLICK zeigt einmal mehr: Zwischen Auto und Velo tut sich in der Schweiz ein tiefer (Strassen-) Graben auf. Wer hinter dem Lenkrad sitzt, für den scheinen die Bussen für Velofahrer offenbar nicht hoch genug sein zu können.

«Rigoros durchgreifen, bis auch der letzte Velo-Rowdy begriffen hat, dass ihn seine rücksichtslose Art teuer zu stehen kommt», so die Forderung der Online-Kommentarschreiber. Oder: «Auf schwere Verkehrsregelverletzungen gibt es nur eine Antwort: Ausweisentzug für jeden Fahrer prüfen.»

Sündige Velofahrer können mit einer geringeren Busse für Vergehen rechnen. play
Sündige Velofahrer können mit einer geringeren Busse für Vergehen rechnen. Thomas Lüthi

Viele Automobilisten fühlen sich im Strassenverkehr ungerecht behandelt. Während gefühlt an jeder Ecke die Polizei Autos kontrolliere und selbst bei kleinsten Verfehlungen keine Gnade kenne, würden Velofahrer mit Samthandschuhen angefasst.

Tatsächlich ist es so, dass für Verstösse mit dem Velo ein anderer Bussenkatalog gilt. Begründet wird dies mit einem unterschiedlichen Fremdgefährdungspotenzial. 

Doch nicht nur die Automobilisten halten bei diesem Reizthema mit ihrer Meinung nicht zurück. Auch Fussgänger beziehen klar Stellung. Sie berichten von haarsträubenden Velomanövern und Kamikaze auf den Fussgängerstreifen.

Die happigen Vorwürfe nimmt die Zweirad-Fraktion nicht einfach so hin. «Mit ihrem Verhalten zwingen einen die Autofahrer ja zum Regelbruch», beklagt sich ein Leser. Zudem seien abgelenkte Autolenker mit Handy am Ohr das viel grössere Übel.

Veloblitz-Kurier Roland Munz macht täglich seine Erfahrungen im Strassenverkehr. play
Veloblitz-Kurier Roland Munz macht täglich seine Erfahrungen im Strassenverkehr. zvg

Die dicke Luft auf den Schweizer Strassen bekommt auch Roland Munz (44) zu spüren. Er ist auf den Zürcher Strassen für den Kurierdienst Veloblitz im Sattel unterwegs. Reibereien gehören für ihn in der Kampfzone zur Tagesordnung. «Wege sind zugestellt, man wird angeflucht und es wird wild gestikuliert.» Munz zeigt sich aber diplomatisch: «Schwarze Schafe gibts bei Auto- und Velofahrern.»

Ebenfalls fast täglich mit dem Velo unterwegs ist Matthias Aebischer. Der 49-Jährige ist SP-Nationalrat und Vizepräsident von Pro-Velo. Er betont zwar, dass er ganz bestimmt kein Rowdy sei, aber Blechkolonnen liess auch er schon im Slalom hinter sich. «Logisch weicht man da aus, wenn einem kein Platz gelassen wird.»

Im Verkehr wird immer weniger Rücksicht genommen

Für Aebischer sind aber weniger die Autofahrer das Problem, als viel mehr die schlecht markierten Wege und miesen Signalisierungen. «Bezüglich Infrastruktur ist die Schweiz ein absolutes Velo-Entwicklungsland!»

Er fordert deshalb seinen FDP-Kollegen auf, mehr für die hiesigen Velofahrer zu tun. Damit wäre auch den Autofahrern ein Gefallen getan. «Wenn man den Velos zeigt, wo ihr Platz ist, hilft das auch dem Anliegen von Herrn Portmann», erklärt Aebischer.

Eine Erklärung für den Zwist unter Auto- und Velofahrern sieht Velokurier Munz in der zunehmenden Verrohung der Verkehrsteilnehmer. «Das wirkliche Problem ist, dass im Verkehr immer weniger Rücksicht genommen wird aufeinander. Das ist keine Frage von Fussgänger, Velo- oder Autofahrer.» 

Publiziert am 16.12.2016 | Aktualisiert am 16.12.2016
teilen
teilen
0 shares
71 Kommentare
Fehler
Melden

TOP-VIDEOS

71 Kommentare
  • Erich  Winter , via Facebook 17.12.2016
    Im Endeffekt, oder in der Regel zählt was man zur eigenen Sicherheit unternimmt oder sich verhaltet. Auch wenn die Infrastruktur in der Schweiz noch einiges zu Denken gibt.Und es das schwächere Gefärt es nicht provoziert.in dem Sinn. Oder für die anderen muss Busse tun.
  • Landre  Marb , via Facebook 17.12.2016
    Wollen wir das Fahrrad als Transportmittel fördern, Ja oder Nein?
    Bei Ja müssen alle angemessenen Infrastrukturen logischerweise vor Eintritt schärferer staatlichen Repressionen (Bussen, Einschränkungen, etc.) gewährleistet werden. Bei Nein... Na dann viel Glück wenn die Strassen ausser Staus nichts mehr kennen...
  • Jörg  Mongi aus Olten
    17.12.2016
    Velofahrer halten sich für frei, sie machen was sie wollen und der Zeigefinger ist immer an der Stirne, wenn ein Auto mal nur in die Näher ihres Freiraums kommt. Velofahren mag gesund sein, aber die Velofahrer sind teilweise krank!
  • Reto  Leutenegger 17.12.2016
    @HansMüllerBern: Ich wohne mitten in Winterthur und bin sehr oft zu Fuss unterwegs und erlebe die Velofahrer...selber bin ich ebenfalls begeisterter Velofahrer, sowohl in der Stadt als auch Rennvelofahrer in der ganzen Region. Obwohl ich sehr oft das Velo nehme, sehe ich jetzt aber nicht ein, wesshalb noch mehr Geld für Fahrradwege ausgegeben werden sollte? Ich werde schon an jeder Ampel zwei Sekunden früher mit "Grün" belohnt und in meinem Umfeld haben die meisten Velofahrer kein Auto.
  • Reto  Leutenegger 17.12.2016
    Und wer soll die vielen Millionen bezahlen die alle Velofahrer jetz einforden für "eigene Strassen"? Die SBB, die Nichtvelofahrer" oder die Autofahrer? Typisch Links: viel fordern aber dann selber nichts bezahlen! Bitte Nummern an die Velos und Strassenverkehrsabgaben! Mit dem Geld bauen wir dann Velowege bis aufs Matterhorn.
    • Hans  Müller aus Bern
      17.12.2016
      Auch sie erzählen nur was Andere ohne gross zu überlegen von sich geben. Ich kenne sehr viele Radfahrer und kein einziger davon hat kein Auto. Alle bezahlen also nicht weniger als sie Hr. Leutenegger. Unterschied, wir Radfahrer bezahlen zu viel da wir in der Zeit mit dem Rad die Strassen nicht belasten wie sie.