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In der Nacht auf Sonntag treffen sich beim Carparkplatz Sihlquai hinter dem Zürcher Hauptbahnhof um 22 Uhr etwa 500 Personen. Sie ziehen anschliessend Richtung Limmatplatz und von dort durch die Langstrasse. Ungehindert können Chaoten unter ihnen Wände verschmieren und Schaufenster einschlagen, Autos beschädigen und Angst verbreiten (Blick.ch berichtete).
«Wir haben keine Polizisten aus der Freizeit aufgeboten», so Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi zu Blick.ch. «Eine Pikett-Organisation haben wir nicht.» Wenn sich dann 500 Leute plötzlich zu einem Demonstrationszug formieren, dann müsse man die Polizisten aus dem regulären Dienst mit Schutzbekleidung usw. ausrüsten. «Wie viele das waren, legen wir aus taktischen Gründen nicht offen.»
Polizei wusste von Versammlung
Zu der Guerilla-Aktion unter dem Motto «Reclaim the Streets» wurde am Samstag unter anderem mit Flyern aufgerufen, die nach dem Fussballmatch zwischen FCZ und Xamax vor dem Letzigrund-Stadion verteilt wurden.
So bekommt auch die Polizei eine Stunde vor dem Umzug Wind von der Versammlung, wie Cortesi gegenüber «Radio 1» zugibt. Doch sie vermutet hinter der Aktion eine Party und wird von der gewalttätigen Demonstration auf dem falschen Fuss erwischt.
Chaoten bleiben vier Stunden ungestört
Die Beamten stellen sich dem Saubannerzug – zu dem neben zahlreichen Mitläufern unter anderem auch etwa 100 Linksautonome gehören – erst am anderen Ende der Langstrasse mit Tränengas und Gummischrot entgegen.
Und erst bei der Stauffacherbrücke kommt es zum Showdown. Gegen zwei Uhr löst sich der Demonstrationszug schliesslich auf. Verhaftet wird niemand.
Vier Stunden lässt die Polizei die Chaoten gewähren. Während dieser Zeit richten diese einen Sachschaden von mehreren Hunderttausend Franken an.
Jetzt sehen sich die Behörden massiver Kritik ausgesetzt. «Zuerst sinnlose brutale Verhaftungen an der Langstrasse, dann kontrollieren 45 (!) Beamte ein einziges Tram», schreibt etwa Blick.ch-Leserin Rosmarie Tobel. «Und jetzt dies: Eine Chaoten-Demo wird nicht ernst genommen und verursacht riesige Schäden.»
Polizeidepartement: «Optimum rausgeholt»
Beim Polizeidepartement der Stadt Zürich ist man zufrieden mit dem Einsatz: «Die Polizei hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Optimum rausgeholt», sagt Sprecher Reto Casanova. «Es ist das erste Mal, dass sich verschiedenste Gruppen zu so einer Demonstration zusammenschliessen.» Ob das Beispiel Schule macht, könne man noch nicht sagen.
Möchte man so einer gewalttätigen Spontan-Demo vorbeugen, «müsste man ständig 50 bis 60 Polizisten in Bereitschaft halten», sagt Casanova. «Das würde bedeuten, dass wir 200 bis 300 neue Polizisten einstellen müssten.»