«Da dachte ich: Oh, jetzt wirds heiss»

  • Publiziert: 27.12.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Hannes Britschgi, Beat Kraushaar und Romina Lenzlinger

Erstmals spricht Cheffahnder Fredi Hafner (57) über die Affäre Nef und was er mit dem Fall des Ex-Armeechefs zu tun hat.

Der Händedruck von Fredi Hafner ist so kräftig wie seine Erscheinung. Gleich zu Anfang des Treffens mit SonntagsBlick stellt er klar: «Ich bin kein verdeckter Fahnder, der hinter der Hausecke wartet. Ich bin kein Held und kein Star, sondern will nur meinen Job machen.»

Aber daraus wird vorerst nichts. Hafner darf nicht, wie vorgesehen, am 1. Januar seinen neuen Job als Chef der Personenfahndung der Stadtpolizei Zürich antreten. Dafür hat Staatsanwältin Judith Vogel gesorgt. Sie beschuldigt den Fahnder der Amtsgeheimnisverletzung in der Affäre Nef und hat ihn deswegen angeklagt. Judith Vogel war es auch, die eine Strafuntersuchung gegen Nef geführt und mit einer Einstellungsverfügung den Weg für ihn freigemacht hat, Armeechef zu werden.

«Solange ich unter Anklage stehe, kann ich mein neues Amt nicht antreten», sagt der «Schimanski von Zürich», wie Hafner nach der spektakulären Verhaftung eines international gesuchten Mörders auch genannt wird.

Dass man ihn jetzt verdächtigt, die Affäre losgetreten zu haben, hat damit zu tun, dass er den Fall Nef kannte. Als Fahnder erhielt er Ende 2006 den Auftrag, den Ex-Armeechef polizeilich vorzuführen. «Bevor wir zuschlagen konnten, hat man den Auftrag zurückgezogen», so Hafner. Warum, weiss er bis heute nicht.

Erst als er im Frühling vom Journalisten Karl Wild (60) kontaktiert wird, inte-ressiert er sich wieder für den Fall. Hafner: «Der Journalist wusste sehr viel über die Affäre. Da dachte ich: Oh, jetzt wirds heiss.» Hafner betont aber, dass er weder an den Journalisten noch an sonst wen Akten herausgegeben hat.

Gegenüber SonntagsBlick bestätigt Karl Wild: «Hafner ist nicht meine Quelle der Nef-Akte. Ich kenne ihn seit vielen Jahren und habe ihm deshalb im Vertrauen einige Fragen zu der Akte gestellt, weil ich bei gewissen polizeilichen Verfahren Nachhilfe brauchte. So kam es zum Treffen mit Hafner.»

Auch SP-Nationalrat und Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch (43) kritisiert die Anklage gegen den Cheffahnder. «Das Strafrecht kennt Rechtfertigungsgründe, die ein strafbares Verhalten heilen. Wer eine Amtsgeheimnisverletzung begeht, aber damit höhere Interessen wahrt, muss nicht bestraft werden. Im Fall Nef scheint dies so zu sein. Immerhin ging es um die Frage, wer an vorderster Stelle für die Landesverteidigung zuständig sein sollte.» Jositsch wäre nicht überrascht, wenn das Verfahren gegen Hafner eingestellt würde.

Man würde es dem alten Fahnder gönnen. Dass er seit 35 Jahren mit Leib und Seele Polizist ist, zeigt sich am Ende des Treffens mit SonntagsBlick. Sein Handy klingelt: «Habt ihr ihn eingesperrt?» Dann strahlt Hafner übers ganze Gesicht. Es ist Heiligabend, der 24. Dezember 2008.

play Cheffahnder Fredi Hafner – ein Bulle von einem Mann – ist seit 35 Jahren bei der Stadtpolizei Zürich tätig. (Urs Kaiser/SonntagsBlick)