Blocher liess sich ins Bild setzten

  • Publiziert: 25.06.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

HERRLIBERG ZH – Für die Galerie: Alt Bundesrat Christoph Blocher (SVP) hat heute in seinem Garten gezeigt, wie er in die Zürcher Geschichte eingeht.

Nun bekommt auch alt Bundesrat Christoph Blocher seinen Platz im Kaspar-Escher-Haus in Zürich – unmittelbar neben dem noch amtierenden Bundesrat Moritz Leuenberger. Das Bild wurde heute vor seiner Villa in Herrliberg enthüllt.

Locker im blauen Anzug, mit ernster Mine lehnt er am Geländer des «Känzeli» seines Rosengartens in Herrliberg, hoch über dem Zürichee. Den rechten Ellbogen auf das schmiedeiserne Geländer gelegt, mit der linken Hand den goldenen Knauf fassend. Im Hintergrund die Kirche von Herrliberg, der Zürichsee und die Glarner Alpen.

Das Portrait hat Karl Landolt aus Stäfa gemalt. Der 82-jährige Künstler gilt als geübter Porträtist, daneben hat er sich aber auch mit Holzschnitten einen Namen gemacht. Er habe Blocher bewusst in ein «landschaftliches Panorama» stellen wollen, sagte Landolt. Ein Bürostuhl passe nicht zur «weitsichtigen Person Blocher».

Eigenwillige Darstellung

Auf den ersten Blick erinnert der Mann auf dem Bild wenig an die Person Blocher. Er habe den Künstler ausdrücklich gebeten, ihn ohne «die typische Blocher-Lippe» abzubilden, sagte der alt Bundesrat bei der Enthüllung des Bildes auf seinem Herrschaftsitz. Deshalb sei nichts anderes übrig geblieben, als den Mund zu schliessen.

Je mehr sie sich mit dem Bild auseinandergesetzt habe, desto mehr Ähnlichkeiten mit ihrem Mann habe sie entdeckt, strahlte Sylvia Blocher. Besonders angetan ist sie vom vorherrschenden «Züri-Blau». Für Christoph Blocher sind es eher die Farben seines Lieblingsmalers Ferdinand Hodler.

Kein politisches Statement

Nicht äussern wollte sich Blocher zu den aktuellen Ereignissen innerhalb seiner SVP. «Ich verfolge das Geschehen interessiert, mehr sage ich nicht», meinte er auf entsprechende Fragen. Nach der Abwahl als Bundesrat im vergangenen Dezember habe er sich einige Zeit «leer und orientierungslos» gefühlt. Jetzt habe er aber wieder eine normale Tagesstruktur und habe auch wieder die Vorzüge des Privatlebens entdeckt.

In der «Ahnengalgerie» wird Blocher neben SP-Bundesrat Moritz Leuenberger hängen. «Das macht mir nichts aus, ich habe keine Berührungsängste», erklärte der ehemalige Justizminister. «Wir sassen im Bundesratszimmer auch drei Jahre nebeneinander». (SDA/dip)

Förderung von Zürcher Künstler

Im Kaspar-Escher-Haus hängen seit den 1930er-Jahren die Portraits von ehemaligen Regierungsratspräsidenten sowie der Bundesräte aus dem Kanton Zürich. Den Künstler oder die Künstlerin können die Porträtierten jeweils selber auswählen. Bezahlt wird das Bild vom Kanton.

Mit der Eröffnung der Galerie stand ursprünglich nicht die Verewigung von Zürcher Magistraten im Vordergrund. Absicht war vielmehr, Künstler aus dem Kanton Zürich zu fördern. Noch heute müssen deshalb die Portraitisten einen Bezug zum Kanton haben.

Zur Ahnengalerie
play Hut ab! So wird der Zürcher Politiker einst in Erinnerung bleiben. (Keystone)