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Da marschierten sie noch ganz stolz mit: Frauenzünftlerinnen. (Keystone)
Es war ein historisches Ereignis: Erstmals in der Geschichte Zürichs nahm die Frauenzunft zum Fraumünster in diesem Frühjahr am Festumzug zum Sechseläuten teil.
Doch vor 14 Tagen beschloss die Versammlung der Zünftler, dass künftig wieder – wie bisher – nur Männer mitmarschieren dürfen. Das heisst: 2012 wären sie bei der Parade unter sich.
Zünfter schliessen Frauen aus – nun droht Klage
Doch offenbar haben die Traditionalisten ihre Rechnung ohne die Stadt Zürich gemacht. Derzeit klärt diese ab, ob Frauen überhaupt von Veranstaltungen auf öffentlichem Grund und Boden ausgeschlossen werden dürfen.
Wenn die Stadt diese Frage verneint, müssen die Zünftler wohl oder übel zurückkrebsen. «Wir prüfen die rechtlichen Grundlagen», bestätigt Nathanael Bächtold, Kommunikationsbeauftragter des Zürcher Stadtpräsidiums.
Stadtpräsidentin Corine Mauch (51), eine bekennende Frauenrechtlerin, kritisiert das Frauenzunft-Verbot am Festumzug seit langem. Ihre Haltung betont sie jetzt auch wieder ausdrücklich gegenüber SonntagsBlick.
Die Zünftler schienen «etwas aus der Zeit gefallen», sagt sie. Und: «Ich hätte von ihnen mehr Courage erwartet. Ich bezweifle auch, dass die Zürcherinnen und Zürcher den weiteren Ausschluss der Frauenzunft goutieren.
Gerade die Frauenzunft ist am Sechseläuten 2011 vom Publikum besonders beklatscht und bejubelt worden», so die SP-Stadtpräsidentin.
Ausschluss verstösst gegen Recht
Jetzt erhält sie Sukkurs von prominenter Seite. Der emeritierte Zürcher Vereinsrechtsprofessor Hans Michael Riemer hält den vor kurzem beschlossenen Ausschluss der Frauenzunft zum Fraumünster vom Sechseläuten-Umzug für «rechtlich nicht begründbar».
Er sei mit den Grundwerten unserer Rechtsordnung und dem in der Verfassung festgelegten Diskriminierungsverbot unvereinbar.
«Ein Gericht würde einen Ausschluss von Frauen aus einem Verein oder von der Benützung des öffentlichen Bodens ohne sachlichen Grund wohl ablehnen», sagt er.
Im Verein für alleinerziehende Väter beispielsweise wäre die Beschränkung der Mitgliedschaft auf Männer gemäss Riemer begründet – nicht aber bei einem öffentlichen Umzug an einem Fest der Bevölkerung, wie ihn das Zürcher Sechseläuten zweifellos darstelle: Ein deutlicher Wink Richtung Behörden, den Sechseläuten-Umzug künftig nur unter Einbezug der Frauen zuzulassen.
Riemer: «Es gilt das Gleichbehandlungsgebot für Frauen und Männer.»
Frauen drohen mit dem Rechtsweg
Über dem Sechseläuten-Umzug, inklusive des symbolischen Verbrennens des Böggs, hängt nun das Damoklesschwert.
Schlimmstenfalls, wenn sich die Männerzünftler nicht an die amtlichen Auflagen halten, muss das Fest abgesagt werden. «Ein Horrorszenario», so ein Insider: Nötigenfalls könnten die Frauen sogar vor Gericht gehen und ihre Teilnahme auf dem Prozessweg erzwingen.
Auf solche Spekulationen will sich die Hohefrau der Frauenzunft, Regula Zweifel, jedoch nicht einlassen. «Wir hoffen auf eine einvernehmliche Lösung», sagt sie.
Doch eine radikale Alternative ist nicht ausgeschlossen: Entweder findet der Sechseläuten-Umzug in den nächsten Jahren mit Frauen statt – oder gar nicht.
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Der legendäre Sechseläuten-Böögg. (Keystone)