Zwillingsmord-Prozess «Bei uns wurden die Kinder umgebracht!»

  • Publiziert: 12.03.2010, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Corinne Landolt und Ann Guenter

HORGEN ZH – Zwillingsmord, dritter Prozesstag. Das Gericht spielt den Notruf des Vaters an die Polizei ab – ein erschütterndes Protokoll.

Vater Franz B. sagt aus, redet von seiner Ehe mit der angeklagten Bianca B. und über die verhängnisvolle Nacht, als seine Zwillinge starben.

Es ist der 24. Dezember um 2:22 Uhr. Ein aufgelöster Franz B. ruft die Kantonspolizei Zürich an.

Das Gericht lässt heute im Prozess die rund zehn Minuten Tonbandaufnahmen laufen.

Hier das Protokoll:

Franz B. (nennt zuerst seinen vollen Namen und die Adresse), mit hoher Stimme: «Bei uns wurde eingebrochen, und die Kinder wurden umgebracht.»

Der Kantonspolizist: «Das kann doch nicht sein!»

Franz B.,weint und schluchzt: «Doch. Die Kinder sind alle tot. Beide.»

Der Polizist fordert Franz B. auf, sofort den Notfall auf 144 anzurufen, während die Polizei ausrücke. «Berühren Sie ja nichts, bis Hilfe kommt.»

Das Gericht spielt auch den Anruf an die Sanität (2.23 Uhr) ab:

Franz B. (nennt wieder zuerst seinen vollen Namen und die Adresse), schluchzend: «Bei uns sind beide Kinder umgebracht worden. Sie sind kalt, alles ist rot im Gesicht.»

Sanitäter: «Wir schicken sofort Hilfe. Wie alt sind ihre Kinder?»

Franz B.: «Siebeneinhalb.» Dann mit verzweifelter Stimme: «Die Kinder sind beide tot. Ihre Lippen sind blau. Es läuft Blut aus ihrem Mund.»

Sanitäter: «Stupfen Sie die Kinder! Beatmen Sie sie!»

Franz B.: «Sie haben blaue Lippen, sie sind schon lange tot.»

Er schluchzt laut. «Das ist unglaublich. Wir haben schon mal ein Kind verloren.»

Im Hintergrund hört man das Schluchzen der Mutter.

Sanitäter: «Jetzt nehmen Sie ein Kind und umschliessen seinen Mund und Nase mit ihrem Mund….»

Franz B.: «Aus dem Mund läuft alles Blut. Sie sind tot. Da geht nichts mehr.»

Sanitäter: «Versuchen Sie, Luft reinzublasen.»

Franz B. «Es tut mir leid, ich kann nicht. Sie sind tot!»

Sanitäter: «Bleiben Sie bitte einen Moment dran.»

Pause, dann hört man den Sanitäter mit einem anderen Mann sprechen. Vermutlich ist es die Polizei, die sich auf einer anderen Telefonlinie einschaltet.

Der Sanitäter sagt: «Ich habe gerade die Mutter der Kinder am Telefon.» Weil Franz B. mit so hoher, panikerfüllter Stimme spricht, glaubt der Sanitäter, dass der Anrufer eine Frau ist.

Sanitäter zu Franz B.: «Sind Sie noch da?»

Franz B.: «Moment, ich höre etwas im Treppenhaus…»

Sanitäter: «Ist noch jemand da?»

Pause.

Franz B.: «Nein, jetzt nicht mehr. Sie haben Kleider, alles Geld ausgeräumt.»

Sanitäter: «In welchem Stock wohnen Sie?»

Franz B.: «Im ersten Stock, Hochparterre.»

Sanitäter: «Berühren Sie nichts mehr und schauen Sie, dass die Türe unten offen bleibt. Damit wir zu Ihnen ins Haus können.»

Man hört, wie Franz B. die Treppe runtergeht. Dann ruft er: «Bianca, komm zu mir. Komm.»

Franz B.zum Sanitäter: «Jetzt kommt jemand. Ah, es ist die Polizei.»

Sanitäter: «Geben Sie mir bittte den Polizisten.»

Zum Polizisten: «Gehen Sie bitte dringend nachschauen, ob die Kinder noch atmen.»

Im Hintergrund hört man Franz B. wimmern.

Polizist (inzwischen im Kinderzimmer von Mario angekommen): «Das Kind hat blau angelaufene Lippen. Es sieht aus, als ob es mit einem Kissen gedrückt worden ist. Es hat sogar schon blaue Flecken.»

Sanitäter: «Dann versuchen Sie, das andere Kind zu beatmen.»

Hier bricht die Tonbandaufnahme ab.