Mord an Florian (4) – Erstmals redet die Mutter: «Behörde ist schuld am Tod meines Sohnes»

Marciana G.* (35) ist eine gebrochene Frau. Ihr geliebter Sohn Florian (4) ist tot – ermordet von Gustav G.* (60), dem eigenen Vater.

  • Publiziert: 06.03.2010, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Silvana Guanziroli
play Freude Florian (†) liebte es, im Sommer am See zu spielen. (ZVG)

Marciana G. sitzt in ihrem Wohnzimmer in Kloten ZH. Mit Mühe hält sie die Tränen zurück. Am Freitag hat die Brasilianerin ihren geliebten Florian (4) zu Grabe getragen. Heute wäre der Tag gewesen, an dem der Kleine sie hier besucht hätte – wie jedes zweite Wochenende im Monat. «Wir wollten in den Zoo gehen. Darauf hatte er sich so gefreut», erzählt die verzweifelte Mutter.

Doch Florian wird diese Freude nie mehr erleben. Sein Vater, Buchhalter Gustav G. (60), hat das junge Leben einfach ausgelöscht. Vor einer Woche. In einem Hotelzimmer in Winterthur ZH.

Trotz ihrer Trauer findet Marciana G. klare Worte: «Die Vormundschaftsbehörde der Gemeinde Bonstetten ist schuld am Tod meines Sohnes.» Auch weil sie als Prostituierte arbeitete, habe die Gemeinde das Sorgerecht für Flori dem Vater erteilt – statt den Kleinen in einer Pflegefamilie zu platzieren. Obwohl die Gemeinde wusste, dass G. schon einmal einem Kind etwas angetan hatte: Vor 20 Jahren versuchte er, seinen Sohn aus erster Ehe zu ermorden. Reto G.* (33) überlebte knapp. Heute ist er körperlich behindert.

Die Anzeichen, dass wieder etwas Schlimmes passieren könne, hätten sich in den letzten Wochen gehäuft, sagt die Mutter. «Das letzte Mal sah ich Florian Anfang Februar. Wir haben miteinander gespielt, waren sehr glücklich.» Es waren die letzten gemeinsamen Momente. Zwei Wochen später, am 19. Februar, verweigerte Gustav G. seiner Ex-Freundin das Besuchsrecht. «Ich stand weinend vor seiner Haustür. Er sagte nur, Florian sei krank. Er komme nicht.»

Marciana G. meldet sich bei der Vormundschaftsbehörde. Die verblüffende Reaktion: «Die schickten mich einfach weg.» Die Mutter überlegte sogar, die Polizei einzuschalten: «Ich tat es nicht, weil ich zu grosse Angst hatte, dass er Florian etwas antun würde.» Eine Befürchtung, die eine Woche später traurige Realität werden sollte.

In zürcherischen Bonstetten will man sich zu den Vorwürfen nicht äussern. Gemeindepräsident Charles Höhn (64, FDP): «Natürlich waren wir mit beiden Parteien in engem Kontakt. Wir können aber erst informieren, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist.» Der Zürcher Justizdirektor Markus Notter (50, SP) hat unterdessen eine genaue Abklärung verlangt, wer wann genau etwas gewusst hatte und welche Entscheide getroffen wurden. Das Ergebnis wird auf Mitte März erwartet.

Auch Marciana G. will die Gemeinde in die Verantwortung nehmen. Sie erwägt rechtliche Schritte. «Eine solche Tragödie darf nie wieder passieren», sagt sie. Zum Mörder ihres Sohnes fällt ihr nur ein: «Ich hoffe, dass ich irgendwann fähig sein werde, für ihn zu beten.»

Zunächst plagen die Brasilianerin andere Sorgen. Im April läuft ihre Aufenthaltsbewilligung ab. Wird sie nicht verlängert, muss sie das Land verlassen. Schluchzend sagt sie: «Ich könnte es nicht ertragen, wenn ich nicht einmal mehr das Grab meines Sohnes besuchen dürfte.»

* Namen der Redaktion bekannt