Badigäste am Türlersee: «Wir konnten nicht weg!»

  • Publiziert: 15.17 Uhr, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Lilian Spörri

HAUSEN AM ALBIS ZH – Nicht nur die Campinggäste stehen nach dem gestrigen Drama am Türlersee noch unter Schock. Auch die Badibesucher haben die Bilder des Flammeninfernos noch vor sich. Und sind empört über die Sicherheit in der Badi.

Axel Donaubauer (34) und seine Freundin Felicitas Felley (30) geniessen mit ihrem 18 Monate alten Kind den heissen Sommertag in der Badi am Türlersee. Doch der schöne Tag endet schrecklich: «Zuerst hörten wir einen kurzen Schlag, dann knallte es so richtig», erzählt Felicitas Felley. Ihr 34-jähriger Freund greift zur Kamera (siehe Video).

Die Badigäste begreifen noch nicht richtig, was passiert ist. Sehen aber, dass eine schwarze Rauchwolke über dem Campingplatz aufsteigt. Dieser liegt direkt neben der Badi. Dann fliegen plötzlich Metallteile durch die Luft. «Acht Meter von mir entfernt schrie ein Mann wie am Spiess und blutete stark», so die 30-Jährige. Er ist am Bein getroffen worden, muss nachher schwerverletzt ins Spital gebracht werden.

Ausgang 20 Minuten verschlossen

Die Leute in der Badi wollen nur noch eins: weg! Und rennen um ihr Leben. «Ich lief instinktiv mit meinem Kind zum Wasser runter, falls noch weitere Explosionen folgen würden», erzählt die junge Mutter. Denn der Badi-Eingang liegt genau vor dem Flammeninferno.

Doch auch der andere Ausgang der Badi bietet keine Fluchtmöglichkeit. «Das Tor dort war zu», erzählt Axel Donaubauer. Und dies gemäss seinen Beobachtungen fast 20 Minuten lang. «Wir konnten nicht weg, waren eingekesselt – auf der einen Seite das Feuer, auf der anderen Seite der verschlossene Ausgang.» Die Leute hätten verzweifelt am Tor gerüttelt.

Holte jemand einen Schlüssel?

Plötzlich ist Rettung da. «Jemand rief: ‹Jetzt ist es offen›.» Tatsächlich ist das Tor geöffnet, die Badigäste können vom Feuer weg flüchten. Ob es aufgebrochen wurde oder jemand es aufgeschlossen hat, kann das Paar in der Hitze des Gefechts nicht beobachten. «Aber mir kam ein verschwitzter Mann entgegen, der rief ‹ich bin ein Lebensretter›», erzählt Felicitas Felley.

Die Badigäste können sich mit dem Schrecken in Sicherheit bringen. Und sind wütend: «Während der ersten 20 Minuten kam niemand und schaute nach uns oder zeigte uns einen Fluchtweg», so Axel Donaubauer. Der 34-Jährige meint auch, erst nach 20 Minuten die ersten Feuerwehrsirenen gehört zu haben.

«Niemand kümmerte sich um uns»

Anscheinend sei die Badi für den Ernstfall überhaupt nicht gerüstet, bemängelt Donaubauer. Und dass die Campingplatz-Betreiber gegenüber anderen Medien erzählten, man habe sich um die Badegäste gekümmert, stimme nun wirklich gar nicht.

Campingplatz-Betreiber Köbi Huber sieht das anders: «Das Tor war nicht verschlossen», sagt er. Ein Gast habe es schliesslich aufdrücken können. «Das geht, man muss nur wissen wie.» Dass dies etwa 20 Minuten gedauert habe, verneint er nicht.

Hingegen wehrt er sich gegen den Vorwurf, niemand habe den Badigästen geschaut: «Das stimmt nicht», so Huber, «die Polizei musste ja mit dem Heli im Gelände landen, um den Verletzten bergen zu können.»