Ritzerin Anklage gegen Paula O.

  • Publiziert: 16.10.2009, Aktualisiert: 02.01.2012

ZÜRICH – Sie hatte behauptet, am Bahnhof Stettbach von SVP-Anhängern geritzt worden zu sein. Jetzt wird gegen Paula O. Anklage erhoben.

Der Bauch geritzt, die Beine geritzt, mit SVP-Schriftzügen: So kam Paula O.* anfangs Februar dieses Jahres an die Öffentlichkeit und behauptete, dies seien drei Skinheads gewesen. Passiert sei es bei einem Überfall auf der Toilette beim Bahnhof Stettbach. Dadurch habe sie ihre ungeborenen Zwillinge verloren.

Doch rasch stellte sich die Geschichte der Brasilianerin als Lügenkonstrukt dar. Paula O. war weder schwanger, noch überfallen worden. Sie hatte sich selbst geritzt.

Bedingte Geldstrafe und Busse

Nun wurde gegen Paula O. Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl wirft ihr Irreführung der Rechtspflege vor. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine bedingte Geldstrafe sowie eine Busse. Ferner soll die Angeklagte die Verfahrenskosten tragen. Die Angeklagte anerkennt den erwähnten Vorwurf nicht, heisst es weiter.

Über den Fall wird voraussichtlich der Einzelrichter in Strafsachen des Bezirkes Zürich entscheiden. Wann die Gerichtsverhandlung stattfindet und ob die Angeklagte persönlich vor Gericht erscheinen muss, steht noch nicht fest.

Tatmotiv noch unklar

Zu Motiv und Hintergrund ist die Frau laut Angst mehrmals eingehend befragt worden. Auch gebe es ein umfangreiches gerichtspsychiatrisches Gutachten, in dem diese Frage thematisiert werde.

Da die Angeklagte jedoch den Vorwurf der Falschaussage nicht anerkenne, müsse dann der Richter zunächst entscheiden, ob sie schuldig sei oder nicht. Die Tatmotiv-Frage werde voraussichtlich in der Gerichtsverhandlung thematisiert. Die Staatsanwaltschaft wolle diesbezüglich nicht vorgreifen.

Der Pass der Brasilianerin bleibt beschlagnahmt, bis der Richter entschieden hat, ob sie persönlich zur Verhandlung erscheinen muss. Laut Angst wird sie von ihrer Familie betreut.

Wie Angst weiter sagte, gibt es keine Hinweise auf strafbare Handlungen weiterer Personen. Befragt worden sei diesbezüglich insbesondere der Freund der Frau. (SDA/spj)

*Name der Redaktion bekannt