Volki-Land-Täter Angst im Dorf

  • Publiziert: 15.03.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Silvana Guanziroli

Sabit I.* (20) ist der Todesschütze vom Volki-Land. In seinem Wohnort Oetwil am See ZH verbreitete er Angst und Schrecken. Man wusste sogar, dass er eine Waffe hatte. Doch niemand schritt ein.

Sabit I. zeigt sich gern als starker, aggressiver Typ. So trat er auch in seiner Wohngemeinde Oetwil auf. «Die Jugendlichen im Dorf hatten Angst vor ihm. Er schlug gerne und oft zu», sagt sein früherer Lehrmeister H. M.*.

Bei ihm machte Sabit I. bis 2007 eine Lehre als Detailhandelsassistent. «An der Berufsschule in Rüti zettelte er ebenfalls Schlägereien an. Die Schule kontaktierte mich und sprach eine Verwarnung aus», berichtet der Lehrmeister.

In Oetwil gilt Sabit I. als Rädelsführer einer Jugendgang. Ein Anwohner, der anonym bleiben will: «Meine Kinder trauten sich wegen dieser Gruppe nicht alleine an die Oetwiler Chilbi.»

Denn im Ort hält sich ein Gerücht hartnäckig: Mitglieder der Gruppe besitzen illegale Waffen. Und Sabit I. habe damit sogar geprahlt.

Dass es sich dabei nicht nur um ein Gerücht handelte, bewies Sabit I. am Samstag vor einer Woche. Auf dem Parkplatz vor dem Einkaufszentrum Volki-Land soll er seine Freundin erschossen haben.

Am Sonntag legt er bei der Polizei ein Geständnis ab. Céline Franck war erst 16 Jahre alt, als sie brutal aus dem Leben gerissen wurde.

Die Bevölkerung von Oetwil fragt sich jetzt: Hätte diese Tat verhindert werden können? Warum sind Behörden und Polizei nicht rechtzeitig eingeschritten?

Die Gemeindebehörden in Oetwil am See wollen von diesem Vorwurf nichts wissen. Gemeindeschreiberin Barbara Kastenholz: «Uns war und ist diese Gruppierung nicht bekannt.»

Ähnlich tönt es bei der Gemeindepolizei Männedorf / Oetwil am See. Ein Polizist gegenüber SonntagsBlick: «Es gab Hinweise auf Jugendliche im Dorf, die herumpöbeln. Ohne konkrete Hinweise können wir allerdings keine Hausdurchsuchungen durchführen.»

Die Gemeinde Oetwil am See will jetzt immerhin Massnahmen gegen die Gang prüfen. Für Céline Franck kommt dies zu spät. Am Montag wird sie in Zürich beigesetzt.

*Namen sind der Reaktion bekannt

Aktion für strenges Waffenrecht

Morgen diskutiert der Nationalrat verschiedene Vorstösse für ein strengeres Waffenrecht. Gefordert werden unter anderem ein Waffenregister und ein Verkaufsverbot für Waffen an unter 21-Jährige.

Die SP macht mit einem neuen Plakat (Bild, oben) auf die Diskussion aufmerksam. Das Drama von Volketswil ZH verdeutlicht laut SP-Nationalrat Daniel Jositsch den Handlungsbedarf: «Wir müssen die Verfügbarkeit von Waffen einschränken.»

Scheitern die Vorschläge, wird das Volk entscheiden. Eine Volksinitiative für den Schutz vor Waffengewalt wurde im Februar eingereicht.
play Céline Franck Die Gymnasiastin wurde nur 16-jährig. Am Montag wird sie beigesetzt. (ZVG)