Zürich–Luzern: Der schlimmste Prügel-Zug der Schweiz

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Thomas Ley

ZÜRICH – Pöbeln und prügeln statt Billette vorweisen: Den Kondukteuren reichts. Die SBB handeln. Aber nicht dort, wos am schlimmsten ist.

Früher Morgen im Zug. Die Party in der Stadt ist vorbei – doch das heimkehrende Partyvolk ist aufgekratzt. Und betrunken.

Wer da nach dem Billett fragt, erntet bloss Pöbeleien. Oder gleich die Faust.

Jetzt fordert die Eisenbahnergewerkschaft SEV für alle Problemzüge: Künftig sollen Zugbegleiter nur noch zu zweit unterwegs sein – und nicht wie heute häufig allein (im BLICK). Die SBB folgt der Forderung – allerdings erst als Pilotversuch und erst in der Westschweiz.

Dabei sind die Zustände in Deutschschweizer Zügen mindestens so übel.

Am meisten graut es Kondukteuren vor dem Wochenend-Frühzug von Zürich nach Luzern: Stündlich ab 1.06 Uhr bringen Regiozug SN9, «Nightbird»-Bus und S-Bahn 1 die Nachtschwärmer heim nach Zug und Luzern. Stündlich werden die Wagen voller – und die Passagiere auch.

«Die regelmässigen Beschimpfungen registrieren wir nicht mal mehr», sagt Jürg Hurni, Zentralpräsident der SEV-Abteilung Zugpersonal. Gemeldet werden jedoch die Verletzungen.

Konkrete Zahlen gibt es erst aus der Romandie. «Am schlimmsten ist dort Zug Nr. 2900», sagt Hurni. Der Regio ab 4.30 Uhr von Lausanne nach Genf. Dort wird derzeit fast jedes Wochenende ein Zugbegleiter so fertiggemacht, dass er danach den Dienst abbricht.

«Die Zürcher Kollegen sagen, in ihren Nachtzügen – etwa dem nach Luzern – sei es mindestens so brutal», sagt Hurni. Trotzdem testen die SBB die konsequente Doppelbelegung in der Romandie. «Im Herbst prüfen wir die Resultate», bestätigt SBB-Sprecher Roland Binz.
Warum erst bei den Romands? Binz: «Sie haben zuerst gefragt.» Dort sei die Gewerkschaft sehr aktiv, bestätigt Bähnler Hurni.

Pech für die Zürcher Kollegen: Bis Herbst sind sie in den Pöbelzügen allein.

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