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Die urdemokratische Schweiz muss sich weiterhin von Ländern belehren lassen, die in Sachen Demokratie alles andere als Musterschüler sind. In Brüssel sagte der türkische Europaminister Egemen Bagis gestern: «Ich glaube nicht, dass grundlegende Menschenrechte einer demokratischen Volksabstimmung unterzogen werden sollten. Ich denke, das ist dumm.» Der Türke weiter: «Ich hoffe, die Schweiz wird nicht ein Freilichtmuseum der Intoleranz im Herzen Europas.»
Die Gunst der Stunde, auf die Schweiz einzudreschen, nützt weiter auch der libysche Diktator Gaddafi. Via das von ihm kontrollierte «Islamische Volkskommando» hat er die Uno aufgefordert, ihren europäischen Hauptsitz von der Schweiz in ein anderes Land zu verlegen.
Gaddafi schiesst aus allen Rohren gegen die Schweiz. Die libysche Menschenrechtskommission (sowas gibt es dort drüben tatsächlich) mokiert sich darüber, dass der Uno-Menschenrechtsrat in der Schweiz ansässig ist, die ein «rassistisches Gesetz» erlassen habe.
Eskalation auch in der Schweiz
Die massive Prügel aus dem Ausland schweisst die Schweiz aber nicht etwa zusammen. Im Gegenteil: Die beiden Lager dreschen immer härter aufeinander ein. In Leserbriefforen beschimpfen sich Minarett-Gegner und jene, die Nein gestimmt haben. Prominente wie alt Bundesrätin Ruth Dreifuss und Clown Dimitri haben eine Kampagne gestartet gegen die «Unkultur der Ausgrenzung».
Der Krach ist längst über die Minarett-Frage hinaus eskaliert und mutiert zum Religionsstreit . Muslime, Juden, Christen – von überall her werden Forderungen aufgestellt und wird zurückgeschossen. So musste sich CVP-Präsident Christophe Darbellay entschuldigen, nachdem er mit seiner Forderung, auch jüdische Friedhöfe zu verbieten, riesige Empörung ausgelöst hat.
Zerreist es die Schweiz wegen der Religionen – oder kühlen die erhitzten Köpfe wieder ab?