Zu wenig Geografie-Kenntnisse ETH-Professor nach 39 Jahren nicht eingebürgert

EINSIEDELN - SZ - Der ETH-Professor Irving John Dunn (75) lebt seit bald 40 Jahren in Einsiedeln, ist Mitglied im Tennis- und im Segelclub. Und trotzdem: Den Schweizer Pass bekommt der Kalifornier nicht.

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Einsiedeln will den ETH-Professor nicht.

Keystone

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Er machte 1963 seinen Doktor und dozierte bis zu seiner Pensionierung als Chemieprofessor an der ETH Zürich. Der 75-Jährige hat drei Kinder in Einsiedeln SZ grossgezogen, ist Mitglied im Segelclub Sihlsee und im Tennisclub Einsiedeln.

Sein Leumund ist tadellos – aber die Schweiz will ihn nicht, den Amerikaner Irving John Dunn.

Er hat zu wenig Ahnung von Geografie

Zum ersten Mal hat der Einsiedler Bezirksrat der Bezirksgemeinde ein Einbürgerungsgesuch zur Ablehnung empfohlen. Und diese kam dem Vorschlag gestern nach – laut Landschreiber Peter Eberle mit klarem Mehr.

Dunns Deutschkenntnisse sind gut, immerhin lebt er seit über 40 Jahren in der Schweiz. Auch die Prüfung über die Grundkenntnisse der Schweiz hat er bestanden – offenbar weiss er aber zu wenig über die kommunalen Verhältnisse. «Mangelnde Kenntnisse in Schwyzer und Einsiedler Geografie sowie Politik», meint die Kommission.

Er habe beim Einbürgerungsgespräch weder die sechs Ortschaften des Bezirks vollständig aufzählen noch Namen von Freunden und Bekannten in Einsiedeln nennen können. Auch aktuelle politische Themen im Ort seien ihm nicht bekannt gewesen.

Der Kalifornier hingegen erklärte laut Bezirk, er fühle sich seit langem in der Schweiz zuhause, habe unter anderem an der ETH viel für die Ausbildung junger Schweizer geleistet. Er kritisierte die Behörde, sie habe sich nicht wirklich interessiert, etwas über ihn herauszufinden.

Wurde das Protokoll gefälscht?

Dunn sagt zu Blick.ch, er habe nicht ­gewusst, dass es sich beim Gespräch um eine Prüfung handle – er sei von einem ungezwungenen Gespräch ausgegangen. Zudem beanstandet er das Protokoll: Die Fragen seien anders formuliert worden, als sie dort gestanden hätten.

Den Entscheid der Bezirksgemeinde kann der Kalifornier innert zehn Tagen beim Schwyzer Verwaltungsgericht anfechten. Ob er das machen wird, ist noch offen.

Vorerst bleibt Irving Dunn auf jeden Fall Ausländer. Und für diesen Bescheid sind jetzt 3600 Franken fällig. (lex/kab/dei/SDA)

Publiziert am 14.10.2014 | Aktualisiert am 15.10.2014
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70 Kommentare
  • Daniele  Santostefano 15.10.2014
    Ich bin in der Schweiz geboren, habe eine Tochter die in der Schweiz geboren ist. Weder sie noch ich sind eingebürgert.
    Ich persönlich werde mich nie einbürgern lassen, würde mir sowas nie antun.
  • Dorothe  Bart , via Facebook 15.10.2014
    Er hat viel getan für unser Land, hat junge Menschen ausgebildet, ist sozial integriert und dann wird er einfach abgelehnt, das ist eine Schande für unser land.......
  • michel  koeb 15.10.2014
    In Frankreich gibts seit neuem auch ein Fragebogen der mündlich befragt wird ! Seit die Sozialisten am Ruder sind, ist dieser nicht schwierig, aber 65 Prozent der Franzosen würden nicht alle Fragen richtig beantworten ! Zu sagen ist auch dass je nach Nationalität und Verfahren die Fragen nicht die gleichen sind ? und kosten tut eine Einbürgerung in Frankreich genau 105 Euros egal wie reich oder wie arm man ist !!!!!!!
  • Eric  Vieira aus Frenkendorf
    15.10.2014
    Jeder der sich einbürgern lässt wird schriftlich informiert dass es eine Prüfung über Schweizer Geographie, Geschichte und Zivismus gibt. Lokale Kanton, Gemeinde Verhältnisse kommen oft als Fragen vor. Ein Akademiker der noch zusätzlich pensioniert ist hätte doch die Zeit gehabt sich zu bemühen und sich für die Prüfung angemessen vorzubereiten. Er kriegt auch wieder in einem Jahr die Gelegenheit dazu. Gleiche Regeln für Alle, das ist nur fair.
  • Mike  Gartner 14.10.2014
    Ich weiss gar nicht was ihr alle habt. Ist doch perfekt, wenn dies ab sofort der Massstab für Einbürgerungen ist, müssen wir uns wegen Überfremdung, Islamisierung etc. keine Gekanken mehr machen. Oder sehe ich das falsch?