SEMPACH - LU - Viele scheinbar verwaiste Jungvögel werden zur Pflegestation gebracht. Das ist zwar gut gemeint, doch so trennt man die Jungen von ihren Eltern.
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Diese junge Amsel wird von den Eltern auch ausserhalb des Nestes betreut.
(Schweizerische Vogelwarte Sempach)«Hände weg von Jungvögeln!», schreibt die Schweizerische Vogelwarte Sempach heute in ihrer Medienmitteilung. Denn in der Pflegestation der Vogelwarte herrscht Hochbetrieb. Täglich werden bis zu 20 Jungvögel eingeliefert – die meisten davon aus der Zentralschweiz.
Diese Fürsorge sei zwar gut gemeint, bewirke in den meisten Fällen aber Schlechtes. «Oft führt sie dazu, dass gesunde Jungvögel von ihren Eltern getrennt werden», schreiben die Experten der Vogelwarte weiter.
Das Phänomen ist typisch für die Monate Mai und Juni. Viele Jungvögel verlassen das Nest – auch wenn sie noch nicht fliegen können. «Wenn sie dann noch fiepen, sieht das hilflos aus», erklärt Vogelwarte-Sprecher Michael Schaad. Trotzdem solle man Jungvögel dort lassen, wo sie sind. Die Eltern kämen meistens schnell wieder zurück.
Was passiert mit den eingelieferten Jungvögeln? «Diese werden in der Vogelwarte aufgezogen, bis sie flügge sind», so Schaad. Gleich wieder aussetzen sei nicht möglich, da die Eltern ihr Junges kaum mehr finden würden.
«Zwar geht es den Jungen bei uns gut», sagt Vreni Mattmann, Tierpflegerin an der Vogelwarte. «Wir können ihnen aber nicht alles beibringen, was sie von ihren Eltern lernen würden.» Das könne sich später negativ auf die Überlebenschancen auswirken.
Einschreiten soll man laut Vogelwarte, wenn sich ein Jungvogel in Gefahr befindet. Sitzt beispielsweise einer auf der Strasse, kann man ihn ins nächste Gebüsch tragen. Danach werden die Altvögel ihn wieder füttern. Ist der Jungvogel verletzt oder wird er von den Eltern während einer Stunde nicht mehr gefüttert, bringt man ihn am besten in die nächstgelegene Pflegestation.