Schotten suchen in der Urschweiz Wo ist Nessie?

  • Publiziert: 09.07.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Gabriela Battaglia

Nicht mal der flotte Schottenrock kann Nessie anlocken. Dabei behaupten die SBB doch, das Monster schwimme im Vierwaldstättersee.

Die Schotten geizten nicht mit Kritik, als die SBB ihre freche Plakatwerbung für verbilligte Bahnreisen in die Urschweiz starteten. Ihr Nessie – gekidnappt. Die Schweizer Bähnler haben es im Vierwaldstättersee ausgesetzt.

Als BLICK über die Empörung berichtet, reagieren die SBB sofort. Und grosszügig. Sie laden eine Gruppe Schotten zur 3-tägigen Nessie-Jagd ein. Motto: «Is Nessie on Holiday in Switzerland?»

Die Suche nach dem abtrünnigen Nessie beginnt in Brunnen SZ. Exakt dort, wo der Monster-Schnappschuss gelang. Sagen zumindest die SBB. Doch wie lockt man Nessie aus den Wassertiefen?

Gordon Lyon (28), Reporter aus Aberdeen, weiss es: «Mit dem Ruf: Free Whisky!» Der Slogan schallt über den See. Vergeblich.

Gordon trägt extra seinen Kilt. «Nessie vermisst sicher Männer in einem solchen Outfit», sagt er. Doch auch der Schottenrock kann Nessie nicht locken. Obwohl schottisches Nieselwetter herrscht.

Auf der Fahrt mit dem Dampfschiff «Gallia» steigt die Spannung. «Vielleicht taucht unser Monster nun auf, um uns die Fische wegzuessen», werweisst Gordon. Wieder hoffen die Schotten vergebens. Trotzdem munden allen die Fischchnusperli vorzüglich.

Nessie taucht nicht auf. Als Trostpflaster gibts für die Schotten eine Ladung Schweizer Patriotismus. Im Tell-Museum in Bürglen UR staunen sie über unseren Nationalhelden. «Ist William Tell wirklich so real wie unser Freiheitskämpfer William Wallace?», fragt Zeitungsmann Paul Breen (51) aus Inverness augenzwinkernd.

Statt Tell steht sein junger Kollege Gordon mit Schottenrock im Mittelpunkt. «Mein Gott, Sie sehen ja aus wie der junge Sean Connery – so sexy!», ruft Museumsguide Elisabeth Walker (67) entzückt.

Weiter gehts über den nebelverhangenen Sustenpass zur Aareschlucht. «Wir hoffen, hier wenigstens auf einen Verwandten von Nessie zu stossen», kündigt Tourleiter Kurt Metz geheimnisvoll an.

1,4 Kilometer lang ist der schmale Gehsteig in der Schlucht. Das Wasser tost, die Felswände tropfen. Und tatsächlich: Plötzlich stossen die Schotten auf ein Monster. Der Tatzelwurm. Aber leider nur aus Holz. «Ist das alles, was ihr zu bieten habt?», foppen die Schotten.

Sie wissen natürlich: Nessie ist längst daheim. Das Monster war in der Schweiz nur in den Ferien.

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