Vorher beteten sie im Gang: Luzerner Schulen schaffen Gebetsräume für Muslime

LUZERN - An zwei Luzerner Schulen gibt es seit Dezember einen Raum, den junge Muslime zum Beten nutzen können. Das ist umstritten.

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Der eine ist fensterlos, der andere war früher eine Abstellkammer: Zwei an und für sich bescheidene Räume sorgen derzeit in Luzern für mächtig Zündstoff. Sie befinden sich in den beiden Schulhäusern Biregg und Hubelmatt – und werden laut der «Weltwoche» seit Dezember jungen Muslimen zum Beten zur Verfügung gestellt

Hat seit kurzem einen Gebetsraum: Schulhaus Biregg in der Luzerner Gemeinde Horw. play

Hat seit kurzem einen Gebetsraum: Schulhaus Biregg in der Luzerner Gemeinde Horw.

horw.ch

Geschaffen wurden sie offenbar, um mögliche Auseinandersetzungen zwischen den Schülern zu vermeiden. Es sei eine «pragmatische Lösung», wird der Luzerner Regierungspräsident Reto Wyss in der «Neuen Luzerner Zeitung» zitiert.

Früher in den Gängen gebetet

Die Muslime hätten früher auf den Gängen oder in den Treppenhäusern gebetet, das habe die Ordnung im Schulhaus gestört und für ein «gewisses Konfliktpotenzial» gesorgt, so Wyss.

In den Schulhäusern Biregg und Hubelmatt unterrichtet unter anderem das Zentrum für Brückenangebote des Kantons Jugendliche, die das sogenannte «zehnte Schuljahr» absolvieren, sprich die obligatorische Schulzeit abgeschlossen, aber noch keine Lehrstelle oder weiterführende Schule gefunden haben.

Viele Schüler, die das Angebot in Anspruch nehmen, haben einen Migrationshintergrund. Die sogenannten «Räumen der Stille» sollen gläubigen Muslimen die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen und zu beten, ohne ihre Klassenkameraden vor den Kopf zu stossen.

Dass sich die Gebetsräume negativ auf die Intergration der muslimischen Schüler auswirken könnten, glaubt Wyss laut dem Bericht nicht. Schliesslich stünden die Räume in beiden Schulhäusern – genau so wie der Raum der Stille an der Universität Luzern – grundsätzlich allen Schülern zur Verfügung.

«Schlecht für die Integration»

So gelassen sehen das nicht alle. Valentina Smajli, Co-Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, Valentina Smajli, findet das neue Angebot der Luzerner Schulen problematisch.

Die Lösung der beiden Schulen sei zwar «gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht», sagt sie in der «Neuen Luzerner Zeitung». Die Gebetsräume gehörten nicht zum Leistungsauftrag einer Schule und würden eine erfolgreiche Integration durch Segmentierung massiv erschweren, so Smajli.

Publiziert am 15.01.2016 | Aktualisiert am 15.01.2016
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