GURTNELLEN - UR - Schon wieder ein Felssturz am Gotthard! Zwei Männer wurden mittelschwer verletzt, ein Arbeiter wird noch vermisst. Auch die Bahnstrecke ist betroffen. Sie bleibt für mehrere Tage gesperrt.
Heute Morgen stürzten Felsmassen in Gurtnellen UR im Bereich unterhalb von Heimigen auf die Gotthard-Bahnlinie.
Ein Bauarbeiter wurde verschüttet. Wie die Kantonspolizei am Nachmittag mitteilt, handelt es sich dabei um einen 29-jährigen Urner.
Zwei weitere Arbeiter wurden mittelschwer verletzt und mit der Ambulanz ins Kantonsspital gebracht. «Sie haben aber keine lebensbedrohlichen Verletzungen davongetragen», sagt Karl Egli, Mediensprecher der Kapo Uri, zu Blick.ch.
Es sei nicht auszuschliessen, dass es zu Nachstürzen komme. «Die Geologen treffen Abklärungen hinsichtlich der Sicherheit für die Bergungsmannschaften», sagt Egli.
Eine Rettungsmannschaft mit Hunden musste am Morgen wieder umkehren. Die Situation am Hang war zu gefährlich. «Sogar einen Bagger hat die Geröllmasse mitgerissen», berichtet ein Augenzeuge Blick.ch.
Die Einsatzkräfte sind alarmiert: «500 Kubikmeter Felsen sind noch absturzgefährdet», schreibt die Polizei.
Zum Zeitpunkt des Steinschlags waren Arbeiten zur Felssicherungen durch eine Privatfirma im Gange. Dieses Mal kam der Fels von der anderen Seite – völlig unerwartet und viel heftiger als beim letzten Niedergang im März.
Das beobachtete auch der Augenzeuge: «Heute kam noch mehr Fels herunter als beim letzten Mal.»
«Niemand hätte gedacht, dass sich der Fels auf dieser Seite löst», sagt SBB-Mediensprecher Christian Ginsig. «Es kamen ungefähr 2000 bis 3000 Kubikmeter Gestein den Berg hinunter», sagt Ginsig. Das entspreche etwa 500 Lastwagenladungen.
Die heute abgebrochene Hangpartie liegt neben dem Abbruchhang vom März und ist rund 50 bis 70 Meter breit und etwa 80 Meter hoch.
Offenbar waren vier Männer bei der Arbeit, als sie vom Steinschlag überrascht wurden. Einer konnte sich gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Steinmasse erfasste die drei anderen, wovon der 29-jährige Urner noch vermisst wird.
Anwohner Zacharias Baumann erlebte bereits den Steinschlag im März mit. An seinem Haus, das nur wenige Hundert Meter von der Unglücksstelle entfernt steht, gehen die Bauleute stets vorbei, wenn sie zur Arbeit müssen, um den Fels zu sichern.
«Meist arbeiten vier Arbeiter oben, vier unten am Berg», sagt Baumann. Nach Feierabend schwatzt er oft noch mit ihnen. «Ich nehme an, dass die meisten beim Znüni waren, als es passierte». Zum Glück, sagt er. «Sonst wären wohl noch mehr verschüttet worden.»
Die Bahnlinie zwischen Arth-Goldau und Göschenen ist unterbrochen. Es verkehren Ersatzbusse. Die Strecke bleibe für «mehrere Tage» gesperrt, teilen die SBB mit.
Die Autobahn A2 sowie die Kantonsstrasse sind nicht betroffen.
Laut Polizei-Communiqué passierte der Felssturz heute kurz vor 9 Uhr.
Der letzte Felssturz hatte sich am 7. März ereignet. Aus Sicherheitsgründen wurden in der Folge 250 Kubikmeter Felsen weggesprengt. (kko/noo)