Urner Justizkrimi um Urner Bordell-Besitzer Ignaz W. «Die Staatsanwaltschaft trickste und log!»

Ab heute tagt das Urner Obergericht erneut zum Fall Ignaz W. Grund sind 700 Seiten Akten über einen verurteilten Drogendealer aus Holland. Die Staatsanwaltschaft habe verhindert, dass dieser noch einmal befragt werden konnte.

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«Die Staatsanwaltschaft trickste und log.» Mit diesen Vorwürfen eröffnete Ignaz W.s Verteidiger Linus Jäggi heute seine Ausführungen. Die Strafbehörden hätten bewusst verhindert, dass ein wichtiger Zeuge noch einmal einvernommen wurde, so sein Vorwurf. Schlimmer: Anwalt Jäggi ist überzeugt, dass «jemand seine schützende Hand über den Zeugen hielt.» Sein Mandant müsse freigesprochen werden.

Damit geht der Endlos-Thriller um den Mordanschlag in die nächste Runde. Bordell-Besitzer Ignaz W. (47) steht erneut bis Mittwoch vor dem Urner Obergericht. Ignaz W. soll im November 2010 einen Auftragskiller auf seine Ex-Frau Nataliya K. (37) angesetzt haben. Zehn Monate zuvor soll er zudem auf einen holländischen Gast geschossen haben (BLICK berichtete). 

Im Oktober 2012 verurteilte das Urner Landgericht Ignaz W. und den Komplizen Sasa S.* (27) zu zehn respektive achteinhalb Jahren Knast. Der Kroate Sasa S. akzeptierte das Urteil. Ignaz W. legte Berufung ein.

Im Herbst 2013 erhöhte das Urner Obergericht die Gefängnisstrafe auf 15 Jahre. Aber: das Bundesgericht hiess im Dezember 2014 eine Beschwerde gegen diese Urteil in zwei Punkten gut. Beide betreffen die Schussabgabe auf den Gast, das erste Delikt. Damit wiesen die Lausanner Richter das gesamte Urteil zurück. 

Wollen Freispruch: Ignaz W. (r.) und sein Verteidiger. play
Wollen Freispruch: Ignaz W. (r.) und sein Verteidiger. Niklaus Waechter

Das Berufungsverfahren fand im letzten Oktober statt. Ignaz W. hatte dabei das letzte Wort. Doch dann entschied das Obergericht, dass das Beweisverfahren wieder aufgenommen werden muss. Jetzt geht es vor allem um Johannes P. (†54). Der Holländer gilt als Hauptbelastungszeuge bei der Schussabgabe. 

Johannes P. hatte am 4. Januar 2010 2,58 Promille Alkohol im Blut, als er die Polizei anrief und sagte, Ignaz W. habe auf ihn geschossen. Auch einen Tag später war der Ex-Fremdenlegionär nicht von seiner Aussage abgewichen. Ignaz W. hingegen behauptet bis heute, Johannes P. habe sich kurz darauf bei ihm entschuldigt und gesagt, die Urner Polizei habe ihn unter Druck gesetzt.

In Frankreich als Drogendealer verurteilt

Das Bundesgericht verlangte, das Obergericht Uri müsse zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um den Holländer nochmals zu befragen. Doch dazu kam es nicht mehr: Johannes P. starb im letzten August in Frankreich eines natürlichen Todes.

Die Urner Polizei hatte Johannes P. 2010 ein paar Monate nach der Schussabgabe in Zusammenhang mit einer Lieferung von acht Kilo Speed selber verhaftet. In seinem Zimmer in einer Pension in Flüelen UR stellte die Polizei auch 6500 Euro in Bar, vier Handys und Notizen zu Drogenlieferungen sicher.

Die Urner Staatsanwaltschaft stellte 2011 das Strafverfahren gegen den Holländer mangels Beweisen ein. Johannes P. erhielt eine Genugtuung von 5600 Franken. In Frankreich wurde er später als Drogenhändler verurteilt.

Konkret sind jetzt den Prozess-Parteien rund 700 Seiten Akten zu Johannes P. zugestellt worden. Ob daraus neue Erkenntnisse oder Beweisanträge resultieren, zeigt sich diese Woche. Mit einem neuen Urteil im Fall Ignaz W. ist frühestens im Frühling zu rechnen.

Publiziert am 22.02.2016 | Aktualisiert am 18.04.2016
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5 Kommentare
  • Ernst  Rietmann aus Weinfelden
    22.02.2016
    Da wird einer mit acht Kilo Drogen, einer grossen Menge Bargeld und sonstigen starken Belastungsunterlagen verhaftet. Was für Indizien braucht es denn noch und wie erklärt die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens? Wer hatte ein Interesse, weitere Ermittlungen gegen diese Person mit einer Einstellung eventuell zu unterbinden? Was versteckt die Urner Polizei und was will sie verbergen?
  • Lorenz   Müller 22.02.2016
    In dieser Schweiz wundert mich nichts mehr. Was Bedienstete bei Bund und Kantonen lügen, verheimlichen, leisten, verbocken, korrumpieren, faulenzen und fett kassieren ist eine richtige Schweinerei. Es wäre längst an der Zeit, dass sich das Volk gegen diese Missstände wehrt. Denn die PolitikerInnen tun das längst nicht mehr. Die sind längst Teil dieses teilweise hoch korrupten Systems! In 50 Jahren ist die Schweiz kaputt, wenn nicht etwas gegen diese Schweinereien passiert.
  • Roman  Bachmair aus Naters
    22.02.2016
    Sollte es sich tatsächlich bewahrheiten, dass die Behörden gelogen und betrogen haben, hoffe ich, dass die betreffenden Personen allesamt mit unbedingten Haftstrafen zur Rechenschaft gezogen werden. Zudem sollen sie für alle entstandenen Kosten aufkommen.
  • Reinhold  Huber - Mayer aus Phi Phi, Thailand
    22.02.2016
    wer will eigentlich hier wen über den Tisch ziehen? Eine unendliche Geschichte! Nur mit welchem ENDE?
  • Pierre  Glöckli , via Facebook 22.02.2016
    Jetzt wo der Hauptbelastungszeuge Tod ist will man das Verfahren wieder aufrollen, wirklich clever, aber ob es etwas nützt!