WILLISAU - LU - Ein Rinderschädel, Keramikstücke und viel Asche: Die Ausgrabungsstücke in Willisau erzählen Alltagsgeschichten.
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Spannend: Die Kinder würden am liebsten mitgraben.
(Kantonsarchäologie Luzern)Hühnerhaut habe er noch immer, wenn das erste Stück einer Ausgrabung zum Vorschein komme, sagt Jürg Manser, Leiter der Luzerner Kantonsarchäologie, zu Blick.ch.
Während sechs Wochen gruben sechs Mitarbeiter 100 Quadratmeter des Willisauer Chileplatzes um. Dabei legten sie mehr als Tausend Jahre alte Alltagsspuren frei. So etwa verschiedene Feuergruben, in denen man Rückstände von Eisenschlack, Asche, Kohle und Lehm feststellen konnte. «Spuren des Handwerks», sagt Manser. Hier muss im 13. Jahrhundert ein Werkplatz, eine Open-Air-Werkstatt, gewesen sein.
Solche archäologischen Zeugnisse wurden unter dem Chileplatz bereits vermutet. Im Herbst 2013 werden sie durch Sanierungen allerdings verschwinden, weshalb die Kantonsarchäologie im Sinne einer Stichprobe wenigstens einen Teil des Chileplatzes untersuchte. Mehr war nicht finanzierbar.
Obwohl es bei den Ausgrabungen keine grossen Überraschungen gab, hält Manser fest: «Es ist erstaunlich, wie intakt die Funde sind.» Neben Keramikkacheln, Geschirrstücken und etlichen Tierknochen kam etwa ein kompletter Rinderschädel zum Vorschein – was auf einen Metzger schliessen lässt.
Er sei jedes Mal aufs Neue beeindruckt, sagt Manser, der schon seit 1988 Kantonsarchäologe ist. «Solche Funde sind nicht abstrakt. Hier spürt man den Menschen unmittelbar.»
Direkt unter der modernen Strassenpflasterung des Platzes ist das Grabungsteam ausserdem auf Brandschutt gestossen. Dieser stammt von einer der Zerstörungen Willisaus, des Guglerkriegs oder des Sempacherkriegs, im späten 14. Jahrhundert. Damals muss mindestens ein grosses Holzgebäude auf dem Platz gestanden sein. Holzpfeiler würden auf eine offene Markthalle hindeuten, sagt Manser.
Am Freitag geht die archäologische Ausgrabung zu Ende. «Die Fundstücke wandern ins Depot, wo sie bearbeitet und ausgewertet werden», sagt Manser. Dies dauere mindestens noch einmal sechs Wochen. Nach der «Rettungsgrabung» ist klar: Unter Willisau schlummert ein ganzes Archiv. (kko)