SVP verhindert im Entlebuch mit Flugblatt Einbürgerung Keinen Schweizer Pass wegen Männerbesuch?

Heute entscheiden die Einwohner von Escholzmatt-Marbach LU über eine Einbürgerung. Ein Flugblatt der örtlichen SVP warnt mit diversen Vorwürfen vor einer Kenianerin. Der Gemeindepräsident hält dagegen.

Bei der Einbürgerung sind nach geltendem Recht eingetragene Partnerschaften schlechter gestellt als Ehepaare (Symbolbild). play
Nach einer Flugblattaktion verzichtet in Escholzmatt-Marbach LU eine Kenianerin auf den Schweizer Pass. Keystone

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Die Einwohner von Escholzmatt-Marbach LU staunten, als in ihren Briefkästen ein Flugblatt der örtlichen SVP auftauchte. Die Verfasser riefen darin auf, die Einbürgerung einer Kenianerin an der heutigen Gemeindeversammlung abzulehnen, wie die «Luzerner Zeitung» publik machte. Grund: Fehlverhalten und charakterliche Defizite.

Damit widerspricht die Partei vehement der Einbürgerungskommission. In der Botschaft zur Gemeindeversammlung schreibt diese, dass alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt seien.

Die Verständigung mit der Frau sei «sehr gut», «sie versteht die deutsche Sprache sowie auch die Mundart bestens», nur ihre Aussprache sei schwer verständlich. Der Bericht bezeichnet die Kenianerin als integriert, mit den örtlichen Lebensgewohnheiten und Sitten vertraut.

Prostitution und alkoholkrank

Anders klingt es auf dem Flugblatt der SVP. Die Frau habe sich «mehrmals unsittlich und anstössig in der Öffentlichkeit benommen». Es sei auch «allgemein bekannt», dass sie «zu jeder Tages- und Nachtzeit männliche Besucher empfängt».

Aufgrund der «Machenschaften» der Frau und ihrer Besucher sei die Polizei wiederholt vorstellig geworden. Weiter sei es «offensichtlich», dass die Frau «sehr viel Alkohol konsumiert». Die «Luzerner Zeitung» liest zwischen den Flyer-Zeilen, dass die Frau eine Prostituierte und alkoholkrank sei.

Auf das Flugblatt angesprochen, will der Päsident der SVP-Ortssektion, Fritz Gerber, nicht von Hetze sprechen. «Der Gemeinderat hat die Bevölkerung jedoch nicht korrekt über die Gesuchstellerin informiert. Deshalb mussten wir dies übernehmen.»

Gesuch zurückgezogen

Gemeindepräsident Fritz Lötscher hält in der «Luzerner Zeitung» dagegen. «Tatsache ist, dass kein Strafregistereintrag besteht und die Frau auch die anderen Voraussetzungen für eine positive Beurteilung erfüllte.»

Das Flugblatt hat seine Wirkung nicht verfehlt, die Kenianerin hat ihr Einbürgerungsgesuch zurückgezogen. «Es hat doch keinen Sinn mehr», erklärt sie gegenüber der Zeitung. Die Aussicht, sich in gebrochenem Deutsch alleine vor versammelter Gemeinde verteidigen zu müssen, sei zu viel für sie.

Sie weist alle Anschuldigungen vehement zurück. Strafanzeige werde sie jedoch nicht einreichen: «Ich habe Angst, dass man mich dann noch mehr hassen würde.»

Die JUSO Luzern zeigt sich in einer Medienmitteilung empört: «Was die SVP hier macht ist Rufschädigung», so Yannick Gauch, Präsident der JUSO Kanton Luzern. Die JUSO Luzern erwarte, dass sich Sektionspräsident der örtlichen SVP, Fritz Gerber, persönlich bei der Frau entschuldige und öffentlich sein  Fehlverhalten zugebe. Sollte Gerber das bis Montag Mittag nicht getan haben, wolle die JUSO Luzern ein Strafverfahren wegen Ehrverletzung und Rufschädigung prüfen und gegebenenfalls sofort einleiten.(shu)

Publiziert am 02.12.2016 | Aktualisiert am 04.12.2016
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25 Kommentare
  • Domenico  Gravino 03.12.2016
    In jeder CH-Gemeinde gibts integrierte Migranten die effektiv sämtliche Auflagen erfüllen und am Allgemeinwohl beitragen, von diesen ist hier anscheinend nicht die Rede. Die zitierten Sätze wie, "alle anderen Voraussetzungen für eine positive Beurteilung erfüllte-den örtlichen Lebensgewohnheiten und Sitten vertraut"ja, aber mit welchen Sitten, Sprachprobleme? Sätze die bei jeder Beurteilung mit "Kopieren und Einfügen" repetitiv sind! Die Linke hat die Tendenz alles durch-zuwinken! Stimmfang?
  • Annemarie   Setz 03.12.2016
    Ich würde gerne wissen, wo diese Frau arbeitet, ob sie Steuern bezahlt, èJahren nicht deutlich Deutsch sprechen kann. Des weiteren würde mich interessieren, ob das mit den Männerbesuchen stimmt, und ob sie schon ein- oder mehrmals die Polizei im Hause hatte. Wenn all die Anwürfe nicht stimmen, kann sie sich verteidigen und nochmals antreten. Und dann kann man auch herausfinden, wer sie falsch angeshwärzt hat. Es sollte doch möglich sein, die Sache zu klären.
  • Sonja  Zwicker 03.12.2016
    Ich gehe davon aus, dass die Anschuldigungen nachweisbar sind! Die SVP wird wohl nicht so dumm sein, die Gesuchstellerin ohne Grund schriftlich in aller Öffentlichkeit zu diffamieren!? Die angeblichen Polizeieinsätze sprechen auf jeden Fall dagegen!
    Die Dame selbst zieht ihren Antrag vernünftigerweise zurück, aber unsere an falscher Stelle ach so engagierte JUSO will ein Strafverfahren wegen Ehrverletzung und Rufschädigung prüfen und gegebenenfalls sofort einleiten.
    Welch unnützer Verein!
  • meier  fritz 03.12.2016
    Das ist eine sehr beunruhigende Entwicklung. Eine Partei, die in der Regierung vertreten ist, startet mit unbewiesenen Behauptungen eine Kampagne gegen eine unbescholtene Person.
    • Sonja  Zwicker 03.12.2016
      Können Sie im Gegenzug beweisen, dass die Person unbescholten ist? Wenn ja, hätte sie ihr Gesuch ganz bestimmt nicht zurückgezogen! Sie behauptet zwar, es sei wegen ihrer Verteidigung in gebrochenem Deutsch?!
      Erst recht ein Grund, sie nicht einzubürgern! Wenn sie Interesse hätte, würde sie sich mehr bemühen!
  • Adrian  Gerber aus Aarberg
    02.12.2016
    Sich zu prostutieren ist keine Straftat. Die SVP sollte sogar dankbar sein, dass jemand im Luzerner Hinterland diese Dienstleistung anbietet. Dem Alkohol frönen auch viele Schweizer. Schon erstaunlich, welche Wertvorstellungen gewisse Menschen haben.
    • Sonja  Zwicker 03.12.2016
      Schon erstaunlich, wie viele Schweizer Moralapostel plötzlich grosszügig denken, sobald es um AusländerInnen geht! Wenn für eine Einbürgerung u.a. Moral und Sitte erforderlich ist, hat man sich daran zu halten, ob im Luzerner Hinterland gewisse Dienstleistungen nötig sind oder nicht! Und unverständlich reden auch noch - geht gar nicht!
      Ja genau, dem Alkohol frönen auch (zu) viele Schweizer, und kosten den Staat ein Vermögen! Falls die Anschuldigungen stimmen, ist die EK schlichtwegs unfähig!