Rührender Abschiedsbrief der Freundin eines Opfers

  • Publiziert: 23.20 Uhr, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Karin Baltisberger

Eveline R. nahm sich das Leben. Weil sie nicht verkraftete, dass ihr Freund Opfer eines irren Amok-Rasers wurde. Der Mann wurde heute zu 3½ Jahren verurteilt.

Er war ihr Ein und Alles. Eveline R.* († 22) verlor vor zwei Jahren ihren Schatz Marino Reimann (†22). Der Strassenarbeiter ist eines der vier Todesopfer der Amokfahrt von Robert S.* (30).Nur kurze Zeit nachdem ihr Freund starb, nahm sich auch die schöne Eveline das Leben. Gestern las der Staatsanwalt am Kantonalen Gericht in Luzern Auszüge aus Evelines Abschiedsbrief vor. Um zu zeigen, wie sehr die Angehörigen unter der furchtbaren Tat von Robert S. leiden.«Es war alles so perfekt. Marino und ich waren so glücklich. Ich habe gedacht, ich sei stark. Doch ich kann nicht mehr. Es ist alles zu viel für mich. Ich will jetzt zu meinem Schatz.»«Ausfährtchen» mit zwei WeinflaschenDer Unfall habe indirekt ein weiteres Todesopfer gefordert und damit sei auch die Familie von Eveline zu Opfern geworden, sagte Staatsanwalt Georges Frey. Auch wenn einige Zeit vergangen ist, die «seelischen Narben bleiben». Am 28. Juni 2007, am Tag des Unfalls, sollte Robert S. in der geschützten Werkstatt Brändi arbeiten. Doch die Betreuer schicken ihn heim, weil er das Rauchverbot missachtet hatte.Der Gelegenheitsarbeiter will ein bisschen herumfahren. In seinem weissen Saab fährt er nach Zürich, Basel und wieder zurück nach Emmenbrücke. Auf dem Heimweg kauft er sich zwei Weinflaschen. Eine trinkt er zu Hause leer. Die andere fängt er an. Dann beschliesst er ein «Ausfährtchen» zu machen. Er will sich die Lärmschutzwände auf der Autobahn anschauen.Die angefangene Weinflasche nimmt er mit, klemmt sie sich zwischen die Beine und trinkt während des Fahrens weiter. «Ich habe mich fahrtüchtig gefühlt», sagt er später aus. Die Ermittlungen ergaben, dass Robert S. 1,4 Promille Alkohol im Blut hatte.Mit 90 Stundenkilometern donnert er um 20.19 Uhr auf der A2 bei Emmen LU auf eine Baustelle zu. «Ich habe einfach Gas gegeben. Dann hat es mich rechts hineingezogen», gab Robert S. zu Protokoll. Im Wahn rast er in die Gruppe von Bauarbeitern und richtet ein Blutbad an. Drei Männer sterben sofort, Marino Reimann einen Monat später im Spital. Vier weitere Arbeiter werden teils schwer verletzt.Der Angeklagte blieb bei der Verhandlung regungslosRobert S.s Auto kommt zum Stehen. Er steigt aus. Er war aggressiv, fand «geil», was er angerichtet hatte und dass es «getötelet» und nach «Tod gerochen» hat.Seit mindestens neun Jahren leidet Robert S. an paranoider Schizophrenie. Er hat Halluzinationen, hört Stimmen und glaubt, von Spionen verfolgt zu werden. Er war deshalb auch schon in der Psychiatrie.Wenige Monate vor dem Unfall setzte er allerdings seine Medikamente ab und begann zunehmend Alkohol zu trinken. Den Führerausweis erhielt er nur unter der Bedingung, absolut nüchtern zu bleiben. Robert S. sass während der Gerichtsverhandlung regungslos da. Er musste nicht mehr aussagen, sein Anwalt spach für ihn. Er bereue, was er getan habe. Und Robert S. habe den Opferfamilien einen Brief geschrieben und sich entschuldigt.Der Staatsanwalt verlangte die Höchststrafe von viereinhalb Jahren. Wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, mehrfacher fahrlässiger schwerer Körperverletzung. Der Verteidiger forderte eine maximale Strafe von eineinhalb Jahren. Das Gericht verurteilte Robert S. zu dreieinhalb Jahren Gefängnis. Diese wird zugunsten einer stationären psychiatrischen Behandlung aufgeschoben.

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