Nunzio L. (47) erschlich sich 44 Mio von Goldküsten-Grosi: Der falsche Physiker und sein Solar-Wunderauto

Der Aargauer hält sich für brillant. Für das Zuger Kantonsgericht ist er ein Hochstapler.

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Dieser Mann ist ein Wunder. Er kann fast alles. Laut eigenen Aussagen ist Nunzio L.* (47) ein brillanter Physiker und revolutionierte als Erfinder die Solarzellentechnik. In seinen Musikvideos liegen die Frauen dem Aargauer zu Füssen.

Sein Gesellenstück: ein Elektroauto namens Quant. Es hat Flügeltüren, eine Solarbeschichtung und steht kurz vor der Marktreife. Seit Jahren. Immerhin: Fürst Albert von Monaco (55) sass schon in dem Wundergefährt.

Die Wirklichkeit ist nicht ganz so schillernd. Laut «Zentralschweiz am Sonntag» hat L. seinen Doktor­titel gekauft, sein Wissen autodidaktisch erworben.

Das Urteil des Zuger Obergerichts macht nun dem Tausendsassa einen Strich durch die Rechnung. Einen 44-Millionen-Strich!

Ein Vermögen in dieser Höhe gehörte einer Handelshaus-Erbin († 89) von der Zürcher Goldküste. Die «ältere, reiche, alleinstehende und wohl liebesbedürftige Dame» («Zentralschweiz am Sonntag») lässt sich vom windigen Genie um den Finger wickeln.

«Die vollkommene Lösung»

In einem Brief an ihren «geliebten Nunzio» bezeichnet sie im Mai 2001 seine Solar-Firma als «Werk unseres Lebens» und «die vollkommene Lösung».

Zwei Monate später steigt die Dame bei seiner NLV Holding AG ein: Mit knapp 39 Millionen Franken, einem Grundstück in Ascona TI und einem Grundstück in Küsnacht ZH. Dafür erhält sie 25 der 100 Inhaberaktien. Sie sind quasi wertlos.

Die NLV Holding sollte «Alpha-Solarzellen» vermarkten, die «Physiker» L. erfunden hatte und patentieren liess. Ihre Wirkung ist fantastisch – aber unbewiesen. Aus «Sicherheitsgründen», sagt er in einer Einvernahme, habe er 1999 oder 2000 den Prototypen vernichten müssen.

Zwei Jahre nach dem Deal gehen der älteren Dame die Augen auf. Doch strafrechtlich kann sie L. nichts anhaben: Arglistige Täuschung und damit Betrug kann ihm niemand nachweisen. Am Ende spricht ihn sogar das Bundesgericht frei.

Doch auf dem Zivilweg sind die Hürden tiefer. Das Zuger Kantonsgericht sprach der Dame am 19. August 2010 einen Millionenbetrag plus Zinsen zu, ebenso die beiden Grundstücke. Ein halbes Jahr später stirbt sie.

Frau laut Obergericht absichtlich getäuscht

Seither kämpfen ihre Erben um Recht und Geld. Mit Erfolg: Das Zuger Obergericht bestätigt nun das Urteil der Vorinstanz. Für das Gericht ist der Physiker ein Hochstapler. Ein Betrüger ist er nicht, aber zumindest hat er die alte Frau «absichtlich getäuscht».

Bloss: Kann L. die Millionen überhaupt zurückzahlen? «Diese Frage erübrigt sich», sagt Nunzio L. zu BLICK. «Ich werde den Fall vor Bundes­gericht weiterziehen und dort sowieso recht bekommen.»

* Name der Redaktion bekannt

Publiziert am 15.10.2013 | Aktualisiert am 14.10.2015
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