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Vergiftete Schreber-Gärten: Vergiftete Schrebergärten

LUZERN – Die Nachricht liess die Schrebergärtner in der Stadt Luzern leer schlucken: Ihre Gärten sind verseucht, der Boden zu stark belastet. Gesundheitliche Gefahren drohen. Und Luzern ist erst der Anfang.

Von Roman Neumann | Aktualisiert um 19:29 | 02.09.2009
Zu hohe Schadstoffbelastung im Boden: Schrebergärten in Luzern (Symbolbild). (RDB)
Zu hohe Schadstoffbelastung im Boden: Schrebergärten in Luzern (Symbolbild). (RDB)
170 Parzellen gibt es in der Stadt Luzern, wo Hobbygärtner ihre Schrebergärten bepflanzen und bewirtschaften dürfen. Nun der Schock: Die Böden sind mit Schadstoffen verseucht. Auf rund 25 Parzellen ist die Belastung des Bodens zu hoch, dass die Stadt ein Nutzungsverbot ausgesprochen hat.

Das heisst: Kein Gemüse mehr anpflanzen, Kinder bis 6 Jahre dürfen nicht mehr auf dem Erdboden spielen. Das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung ist zu hoch. Projektleiter Stefan Herfort beschwichtigt: «Bei Nahrungsmitteln gilt eine Nulltoleranz – das Verbot auf diesen Parzellen ist rein vorsorglich.» Er wird derzeit überschwemmt von besorgten Schrebergärtnern, die wissen wollen, ob ihre Parzelle – und sie selbst – gefährdet sind.

51 weitere Parzellen stufte die Stadt als leicht gefährdet ein. Dort empfiehlt Luzern den Anbau von Gemüse, das nur über dem Boden wächst. Tomaten, Beeren oder Gurken. Grund: Die Parzellen auf dem Areal Riedholz stehen über einer alten Kehrichtdeponie. Darüber befindet sich zum Teil eine Humusschicht von nur gerade 30 Zentimeter.

Auch andere Gärten in der Schweiz belastet

Christoph Wenger von der Abteilung Abfall und Rohstoffe im Bundesamt für Umwelt (Bafu) sagt, warum es soweit kommen konnte: «Nach dem 1. und 2. Weltkrieg wollten die Behörden den Bürgern Land überlassen. Dies geschah auf billigem Land, eben auf Kehrichtdeponien oder neben Bahngeleisen.»

Zudem habe man früher Pestizide verwendet, die den Boden systematisch verseucht hätten. Heute seien die Regeln für Pflanzenschutzmittel strenger. In der Schweiz gibt es aber überall Schrebergärten. Was ist mit den anderen Städten? Christoph Wenger: «Wir rechnen damit, dass auch andere Standorte belastet sein könnten.»

Vor allem alte Parzellen – wo Dünger, Pflanzenschutzmittel oder Asche für die Bewirtschaftung gebraucht wurden – seien mehr gefährdet als andere, so Wenger.

Was geschieht mit den Gärten?

In Luzern gibt es aber einige, die ihren Garten seit mehr als 50 Jahren bewirtschaften. Stefan Herfort: «Die Schadstoffbelastung im Essen wird erst problematisch, wenn sie über einen längeren Zeitraum geschieht.» Und dies sei bei jedem einzelnen Schrebergarten unterschiedlich. Je nach Beschaffenheit des Bodens, je nach Essverhalten der Bewirtschafter.

Was geschieht nun mit den verseuchten Schrebergärten in Luzern? Nun werde eine Sanierung geprüft, so Herfort. Will heissen: «Es könnte sein, dass die Deponie mit einer dickeren Schicht abgedeckt wird.»
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