«So starb Nicole» Karin S. überlebte das Überhol-Drama von Brunnen

BRUNNEN - SZ - Die überlebende Karin S. (20) spricht im BLICK: «Wir hörten laut Musik und sangen. Dann weiss ich nichts mehr.»

  • Publiziert: 22.33 Uhr, Aktualisiert: 20.09.2012
  • Von Romina Lenzlinger und Daniel Riedel

Nicole war eine ihrer besten Freundinnen. Vom gleichen Schlag, lebensfroh, auch aus Brunnen SZ. In der Nacht auf Dienstag sitzt Karin S.* (20) als Beifahrerin neben Serviertochter Nicole E.* († 27). «Wir waren supergut drauf, hörten laut Musik und sangen mit.»

Bis zu dem Moment, als Nicole E. in ihrem Rover zum Überholen ansetzt, dabei die Kontrolle verliert und an der Gersauerstrasse frontal in einen abgestellten Pneu-Liefer­wagen kracht (BLICK berichtete).

«Nicole war richtig happy.»

Nicole E. verliert ihr ­Leben. Karin S. liegt auf Station 6 im Kantonsspital Schwyz. Mit gesprengtem Schlüsselbein, lädiertem Schulterblatt, zwei gebrochenen Rippen – und mit schrecklichen Erinnerungen an die Unglücksnacht.

«Nicole holte mich nach ihrer Schicht in der Brunner Hof-Bar ab. Wir zogen durch die Bars in Brunnen und wollten auf einen Absacker noch in die Del Mar Lounge», erzählt die Berufsschülerin. «Nicole war richtig happy.» Die beiden Frauen steigen ins Auto, ihr Ziel ist keine drei Kilometer entfernt.

Im Wagen vor ihnen fährt  Kollege Beni T.* (33), der mit auf einen Drink will. Rund 200 Meter vor der Bar trifft Serviertochter Nicole E. eine fatale Entscheidung. Karin S.: «Sie sagte zu mir: ‹Komm wir überholen den Beni. Dann sind wir zuerst da.› Dann weiss ich nichts mehr.»

Nicoles Rover fliegt aus der Kurve und kracht ungebremst in einen Lieferwagen bei der Tankstelle. Die Serviertochter stirbt. Beifahrerin Karin S. überlebt.

Überlebende machen sich Vorwürfe

Auch gestern kamen ihr immer wieder die Tränen. Ihre Stimme bricht, wenn sie an ihre tote Freundin denkt: «Nicole war immer für mich da. So herzensgut, so hilfsbereit. Durch nichts unterzukriegen. Wären wir doch einfach im Ort geblieben.»

Vorwürfe macht sich auch Unfallzeuge Beni T. Der IT-Spezialist aus Brunnen ist ein guter Freund Nicoles: «Ich kann es immer noch nicht glauben. Wenn sie doch zu mir ins Auto gestiegen wäre. Doch sie wollte mit dem ­eigenen Auto zur Bar fahren.»

Seit jener Nacht muss Beni T. immer wieder zur Tankstelle fahren, die schrecklichen Bilder irgendwie verarbeiten. Am Unfallort zeugen Kreidespuren, Blumen und Grabkerzen vom Horror-Crash.

Als Erster am Unglücksort versuchte der 33-Jährige zu retten, was nicht mehr zu retten war. «Ich habe den Wagen fliegen sehen. Ich habe sofort angehalten und bin zu den beiden hingerannt. Dann habe ich die Fahrertür aufgerissen und Nicoles Kopf in die Hände genommen. Ich spürte einen Puls. Vielleicht war es in der Aufregung doch mein eigener? Denn sie hat nicht rea­giert.» Nicole stirbt in seinen Armen.

Auf dem Beifahrersitz kämpft sich Karin aus dem Wagen. Sie ist für ein paar Augenblicke benommen und kriegt nicht alles mit.

Karin S. weiter: «Mir fehlen ein paar Minuten. Doch die schönen Erinnerungen, die ich mit Nicole vor dem Unfall hatte, werde ich nie vergessen.»

*Namen bekannt

Beliebteste Kommentare

  • Walter  Zimmermann , Jona
    Wie wäre wohl der Kommentar, wenn ein junger, oder ein alter Mann diesen Unfall verursacht hätte?? Sie war ja eine so nette, hübsche junge Frau!
  • Gaby  Widmer
    tragisch und sehr traurig. Einfach unfassbar.......ein falscher Moment - eine falsche Entscheidung und das Leben von drei Leuten und deren Familien ändert sich von einer Sekunde auf die andere. Viel Kraft den HInterbliebenen.

Alle Kommentare (19)

  • Nici  Kaps , Schwyz , via Facebook
    Es fällt immer sehr leicht ein Urteil über Menschen zu fällen die man nicht kennt. Ich kannte Nicole, sie war ein sehr lebensfroher Mensch der auch ohne Alkohol Spass haben kann. Leider wurde Ihr Leben auf so tragische Weise beendet. Und allen die Nicole jetzt verurteilen möchte ich sagen kährt doch bitte vor eurer eigenen Tür, denn fehler habt auch ihr sicher schon gemacht. Nur nicht so fatale. Ich möchte Nicoles Familie mein tiefstes Mitgefühl ausdrücken und Ihnen viel Kraft wünschen. Denn ein Kind zu verlieren ist immer schrecklich und grausam.
    • 20.09.2012
    • 25
    • 7
    • Phil  Elstner , Seewen
      Danke Nici wenigstens jemand er mal was gegen dise beiträge sagt. Jeder der Nicole nicht kannte solte hier nichts mehr schreiben.
      • 20.09.2012
      • als Kommentar auf Nici  Kaps , Schwyz
      • 11
      • 3
  • Paul  Gerber
    Wie Walter Zimmermann schreibt: Zum Glück war es kein Mann. Sonst wäre die Erklärung einfach gewesen: Todesraser, Alkohol im Spiel, rücksichtslos, kriminell, einfach das Übliche, um Männer zu kriminalisieren.
  • Nadja  Rossi , Uster
    Viele schwere Verkehrsunfälle passieren, weil junge Automobilistinnen unkonzentriert am Steuer sitzen und sich durch laute Musik wie in diesem konkreten Fall oder das Handy ablenken lassen. Musik sollte im fahrenden Auto nur im Hintergrund als Berieselung laufen dürfen. Wenn die Musikanlagen derart stark aufgedreht werden, dass man die zum Verkehr gehörenden Geräusche z.B. auch Hupsignale akustisch nicht mehr wahrnehmen kann, ist das m.E. Grobfahrlässigkeit.
  • Stefan   Pollis
    "Wir zogen durch die Bars in Brunnen".....nimmt mich Wunder ob da kein Alkohol im Spiel war. Dann wollten sie noch zu einem "Absacker" in eine andere Bar......
    "Ich habe den Wagen fliegen sehen"......Raser? Kein Wort im Blick-Report oder Schlagzeile......
    Auf dem Bild sieht man die Verkehrssituation: Eine scharfe Kurve. Zum Glück ist da niemand von der anderen Seite gekommen.
    Tragisch für die Hinterbliebenen und Verletzten. Das Unfallopfer musste die Leichtsinnigkeit mit dem Leben opfern.
    • Felix  Frei , Uster
      Erstens gibt es Menschen, die auch ohne Alkohol Spass haben können. Zweitens ist es nicht eine scharfe Kurve, aber eine langgezogene. Das verherende war wahrscheinlich der Stellriemen der Tankstellen-Rabatte, wo ihr wahrscheinlich das
      Steuer aus der Hand geschlagen wurde.
      • 20.09.2012
      • als Kommentar auf Stefan   Pollis
      • 9
      • 6
  • Rene  Grunder , Bern
    Traurig! Aber falls es nicht eine junge Schweizerin sondern ein junger Ausländer gewesen wäre gäbe es hier statt Mitleid eine Raser Diskussion.
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