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Kommentar von Philippe Pfister, stv. Chefredaktor SonntagsBlick: Jetzt gilts ernst, ihr Narren!

Aktualisiert um 00:33 | 07.02.2010
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An der Redaktionskonferenz hatten wir diese Woche trotz Steuerstreit mit Deutschland und eher trüber Wetterlage ein paar erheiternde Momente. Auslöser war ein Vermerk auf unserer internen Themenliste: «Gottlos – Spassverderber-Bischof verbietet Fasnachtsmesse».

Worum gings? In Schwyz war auf den 14. Februar wieder ein fasnächtlicher Sonntagsgottesdienst anberaumt, inklusive Kostüme und Guggen. 2009 seien die Kirchenbänke dabei «bis auf den letzten Platz besetzt» gewesen, meldete der «Bote der Urschweiz». Doch die «Volksbewegung Pro Ecclesia» verstand keinen Spass und intervenierte beim zuständigen ­Bischof von Chur, Vitus Huonder. Der schien auf Beschwerden aus der rechtskatholischen Ecke nur gewartet zu haben.

Der sprecher des Bischofs verkündete prompt ein striktes Verbot der Schwyzer Fasnachtsmesse – und schaffte damit einen Präzedenzfall. Zur Begründung wies er darauf hin, derlei Veranstaltungen seien von Anfang an umstritten gewesen. Jedenfalls vermöge Huonder darin keine Tradition zu erkennen, auf die seine Kirche ansonsten sehr viel Wert lege.

Das ist, mit verlaub, Unsinn. Die Fasnacht ist eine ausgesprochen katholische Erfindung; Belege für mittelalterliche Narrenfeste sind Legion. Gerade Kirchen boten ihnen jahrhundertelang Gastrecht. Erst die Reformatoren machten Schluss damit und trieben den Menschen auch andere vermeintlich magische, unchristliche Bräuche aus. Da war die katholische Kirche schlauer: Sie band den Karneval perfekt in ihre jährlichen Fastenwochen ein. Ganz nach dem Motto: Einmal im Jahr die Sau rauslassen ist menschlich, aber am Aschermittwoch kniest du gefälligst vor Gott nieder.

Wenn die Guggen nun seit etwa zehn Jahren in die Kirche drängen, dann beruht das also durchaus auf einer guten alten Tradition. Vielleicht ist es eher umgekehrt: Der Bischof will eine neue Tradition begründen, nämlich jene, dass die katholische Kirche Abstand von der Volkskirche nimmt. Er würde damit ganz auf der Linie seines humorlosen Vorgesetzten Benedikt XVI. in Rom liegen.

Wir sollten den beiden den Marsch blasen – wenn nicht in den Kirchen, dann eben drum herum. Also, ihr Narren und Guggen: Freut euch des Lebens und macht so viel Lärm, wie ihr könnt. Auf nach Schwyz!
Philippe Pfister, stv. Chefredaktor SonntagsBlick.
Philippe Pfister, stv. Chefredaktor SonntagsBlick.
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