LUZERN - LU - Im 8. Schuljahr schon ein Lehrvertrag? Der Luzerner Regierungsrat will das verhindern.
Die Zahl der Schulabhänger nimmt ab – gute Lehrlinge sind besonders begehrt. Darum versuchen Firmen möglichst früh, gute Schüler anzuwerben. Teils würden sich 13-Jährige schon für einen Beruf entscheiden, so die Luzerner SP-Kantonsrätin Jacqueline Mennel.
«Das bedeutet Stress pur für die Jugendlichen.» Um dem einen Riegel zu schieben, hat Mennel im Dezember ein Postulat eingereicht. Darin fordert sie, «dass keine Lehrverträge mehr vor dem 1. September des neunten Schuljahrs abgeschlossen werden».
Jetzt ist klar: Der Regierungsrat ist derselben Meinung. «Es darf nicht sein, dass sich Jugendliche vorschnell entscheiden – sei es aus Angst, keine Lehrstelle zu finden, auf Drängen der Eltern oder auf Druck der Betriebe», schreibt er in der Antwort auf das Postulat.
Schnelle und unüberlegte Entscheide führten häufig zu unnötigen Lehrabbrüchen. Zudem würden durch die frühe Rekrutierung schwächere Schüler diskriminiert.
Die Frage ist nur: Wie kann man das verhindern? Bereits 2005 wurde in der Zentralschweiz das Projekt «Fairplay» lanciert. Teilnehmende Betriebe verpflichteten sich, frühestens im neuten Schuljahr mit der Lehrlingsauswahl zu beginnen und den Jugendlichen eine Bedenkzeit einzuräumen. Das Projekt scheiterte jedoch, weil sich nicht alle Betriebe daran hielten.
Der Regierungsrat peilt nun andere Massnahmen an: Er schlägt vor, den öffentlichen Druck zu erhöhen – mit einer Kampagne, die auch von Wirtschafts- und Berufsverbänden mitgetragen wird. Der Luzerner Gewerbeverband etwa hat in einem Artikel der «Neuen Luzerner Zeitung» die frühe Rekrutierung ebenfalls kritisiert.
Bereits heute genehmigt der Kanton keine Lehrverträge vor dem 1. September des neunten Schuljahrs. Doch Betrieb und Schüler können natürlich schon vorher Vereinbarungen treffen.
Eine schnelle Lösung zeichnet sich also nicht ab. Aber ein erster Schritt ist für Kantonsrätin Mennel getan: «Ich bin froh, dass der Regierungsrat das Problem erkannt hat und nun die Federführung übernehmen will.»
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