LUZERN - Im Internet suchte Werner V. einen Killer, der seine Ex-Frau aus dem Weg räumen sollte. War es versuchte Anstiftung zu Mord oder bloss «ein Seich» im Affekt, wie der Angeklagte beteuert?
play
Werner V. gestern vor dem Luzerner Kriminalgericht.
(Niklaus Waechter)Er wollte seiner Ex-Frau auf keinen Fall Unterhalt zahlen. Dafür ging Informatiker Werner V.* (52) sogar so weit, dass er gestern vors Luzerner Kriminalgericht musste. Die Staatsanwältin will Werner V. für fünf Jahre hinter Gitter bringen. Wegen versuchter Anstiftung zum Mord.
2010 lässt sich das Ehepaar V. scheiden. Der Richter macht dem dreifachen Familienvater damals klar: Er muss der Ex wohl bis zu seiner Pensionierung Unterhalt zahlen.
Werner V. sieht seine Existenz bedroht, das Leben mit seiner neuen Freundin in Gefahr. Er fasst einen Entschluss: Seine Ex-Frau muss weg. Werner V. geht ins Internet und sucht unter einem Pseudonym einen Killer. «Ich habe im Affekt gehandelt», so Werner V. gestern vor Gericht. «Heute ist mir meine Reaktion unverständlich.»
Auf die Anfrage von Werner V. meldet sich «Habicht74». Der Mann bietet an, die Ex-Frau von V. umzubringen. «Ich werde sie langsam und qualvoll töten, stundenlang quälen und gnadenlos schänden und sie zuletzt ausbluten lassen», verspricht er in einem E-Mail.
Werner V. ist einverstanden, schickt dem Auftragsmörder die Masse seiner Frau, will ihm 20'000 Franken für seine Dienste zahlen. Aber nur, «wenn feststeht, dass sie tot ist».
«Ich hielt ihn für einen Spinner», versucht sich Werner V. zu rechtfertigen.
Richter: «Hielten Sie es nicht für riskant, diesem Spinner sämtliche Informationen über Ihre Frau zu liefern?»
Werner V.: «Nein, wir hatten ja noch nichts über die Zahlungsmodalitäten vereinbart.»
Richter: «Wollten Sie tatsächlich Ihre Frau umbringen lassen?»
V.: «Am Anfang schon. Später habe ich erkannt, dass dieser Chat mit Habicht74 keine Lösung, sondern nur Ärger bringt.»
Richter: «Haben Sie heute das Gefühl, Sie haben nichts Unrechtes getan?»
V.: «Natürlich nicht. Ich habe einen Seich gemacht.»
Der «Seich» flog auf, weil Habicht74 die Frau kontaktierte und ihr sagte, jemand suche im Internet einen Killer für sie. Einen Tag bevor die Tat stattfinden sollte, wurde Werner V. verhaftet.
«Sein Entschluss, seine Ex-Frau aus finanziellen Gründen entsorgen zu lassen, zeugt von extremem Egoismus und Skrupellosigkeit», sagt die Staatsanwältin.
Der Verteidiger will für seinen Mandanten einen Freispruch. «Ein Handwerker wäre an den Stammtisch gesessen, hätte seine Probleme in der Runde diskutiert. Ein Informatiker versucht seinen Frust halt im Chat loszuwerden», so der Anwalt. «Da darf man nicht jedes Wort wörtlich nehmen.» Das Urteil folgt.
* Name bekannt
Beliebteste Kommentare
Alle Kommentare (18)