1 Mio Schulden! «Ich war dumm und naiv»

  • Publiziert: 07.04.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Anna Vonhoff und Beat Michel

Die grosse Blondine ist erst 22 und schon Schulden-Millionärin. Marion S. sieht sich als Opfer von Russen und Italienern.

Neben zwei Bauernhöfen steht ein kleines Holzhaus mit einem angebauten Pferdestall. Hier in Menzingen ZG lebt Marion S.* (22), die Frau mit der rekordverdächtigen Schuldensumme von rund einer Million Franken.

«Ich will nichts sagen zu den Forderungen», sagt Marion S. Dann verteidigt sie sich trotzdem. «Man hat mich zu den Sachen gezwungen. Russen und Italiener haben mir den Auftrag gegeben. Ich war dumm und naiv», sagt die junge, schlanke und grossgewachsene Frau.

Mit der Höhe der Schulden konfrontiert, zeigt sie auf ihr bescheidenes Heim. «Würde ich so wohnen, wenn ich so viel Geld für mich geholt hätte?»

Doch die Liste ihrer Gläubiger ist lang. Krankenkassen, Spitäler, Behörden, Firmen und Dutzende Privatpersonen warten auf ihr Geld. Sie alle kennen eine andere Marion. Für sie ist die Blondine ein Luxusweib.

«Sie hat sich wochenlang mit unserer Limousine durch die Schweiz chauffieren lassen», erzählt der Chef eines Limousinenservices in der Zentralschweiz. «Frau S. gab vor, Millionen geerbt zu haben – gezahlt hat sie aber nie. Sie schuldet uns über 100 000 Franken.»

Auch Taxi-Fahrer Akyol Ö.* (35) gehört zu den Geprellten. «Ich habe sie während zwei Monaten in der ganzen Schweiz herumkutschiert. Sie wollte Pferde anschauen.»

Bezahlt habe sie freilich nie. «Sie hat mich immer vertröstet. Sobald sie die Firma ihres Grossvaters geerbt habe, würde sie ihre Schulden begleichen.» Akyol Ö. fordert von Marion S. 10 000 Franken.

Auch Taxifahrer Beat U.* (37) ging Marion S. auf den Leim: «Sie zeigte mir einen Bankauszug mit einem Kontostand von 23 Millionen Franken.» Und so nahm er ihr die Rolle der reichen Firmenbesitzerin und Erbin ab. Fuhr sie zu ihrem Freund ins Wallis und immer wieder in den Ausgang nach Zürich.

Heute ist er klüger: «Sie hat meine Gutgläubigkeit ausgenutzt», sagt er verbittert. «Insgesamt schuldet sie mir fast 30 000 Franken. Diese Betrügerin muss man stoppen!»

Marions Mutter verschliesst die Augen vor den Problemen ihrer Tochter. «Ich will das alles gar nicht so genau wissen», sagt sie. Schon mehrere Male seien wütende Gläubiger vor der Tür gestanden. «Ich kann nur sagen, dass ich selber kein Geld habe. Und dass meine Tochter alt genug ist, die Verantwortung selbst zu übernehmen.»

* Namen bekannt.

Von der Mahnung bis zum Schuldschein

Die erste Reaktion auf eine ausstehende Zahlung ist die Mahnung. Es ist eine Zahlungserinnerung, noch ohne Folgen. Zahlt der Schuldner wieder nicht, reicht der Gläubiger beim Betreibungsamt die Betreibung ein. Er gibt damit dem Staat den Auftrag, das Geld einzutreiben. Der Schuldner erhält einen Zahlungsbefehl. Zahlt der Schuldner noch immer nicht, kommt es zur Pfändung. Dabei versteigert das Betreibungsamt notfalls die Habe des Schuldners. Ist die Schuld noch nicht beglichen, erhält der Gläubiger für den Restbetrag einen Verlustschein: eine Urkunde, die den fehlenden Betrag bestätigt.
play Marion S. gab sich als Firmen­besitzerin und Millionen-Erbin aus. (Toini Lindroos)

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Schweiz

Werden zu leichtfertig Schulden gemacht?»

  • 86,6% Ja, alle wollen konsumieren.
  • 5,6% Nein, nur in Ausnahmefällen.
  • 7,8% Die Rechnungen sind zu hoch.