Schweizer Hausfrau nimmt es mit deutschem Finanzminister auf «Ich habe Steinbrück angezeigt»

  • Publiziert: 15.05.2009, Aktualisiert: 13.01.2012
  • Von Christian Bischoff

SCHÜPFHEIM LU – Irgendwann hatte die Hausfrau und Mutter aus dem Entlebuch genug. Sie rannte auf den Polizeiposten Schüpfheim und erstattete Anzeige. Gegen Steinbrück, Peer. Wohnhaft in Berlin. Beruf: Finanzminister.

Als Maria S.* hörte, wie der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück Anfang Mai wieder einmal über die Schweiz herzog und sie der vorsätzlichen Beihilfe zur Steuerhinterziehung bezichtigte, schritt sie zur Tat.

Am 8. Mai, am Tag nach Steinbrücks Ouagadougou-Spruch, erstattete sie auf dem Polizeiposten in Schüpfheim Anzeige gegen Steinbrück. «Der Bundesrat wartet doch nur auf seine Rente und tut sonst nichts. Als Bürgerin musste ich die Sache selbst in die Hand nehmen», sagt Maria S.

Erste beim zweiten Versuch klappte die Anzeige

Dabei war es gar nicht so einfach, die Schüpfheimer Polizei auf den grossen Politiker in der deutschen Hauptstadt anzusetzen: Schon zwei Wochen zuvor ging sie mit demselben Vorhaben auf den Posten – und wurde schnöde abgewimmelt, wie sie sagt.

«Der Polizist hat mir gesagt, dass er erst einmal abklären müsse, welche Gesetzesartikel hier beigezogen werden müssten», sagt die 44-jährige Hausfrau, eine ausgebildete Finanzberaterin. Auch beim zweiten Mal habe der Beamte gesagt, er könne als erste Instanz die Anzeige auch ablehnen. «Nein, das dürfen Sie nicht», antwortete Maria S. – und ging nicht weg, bis der Beamte ihre Anzeige aufnahm.

«Fühle mich persönlich angegriffen»

Die Vorwürfe an die Adresse Steinbrücks sind happig: In der Anzeige bezichtigt die Erstatterin ihn der Nötigung, Erpressung und zusätzlich der Verleumdung. «Als Schweizer Bürgerin fühle ich mich durch Steinbrücks Anfeindungen persönlich angegriffen», sagt Maria S.

Unterstützt wird die wackere Steinbrück-Feindin übrigens von ihrem deutschen Ehemann. Auch der findet das Vorgehen seines Finanzministers einfach nur «kriminell». Dass Steinbrück gestern nun versprochen hat, auf dumme Sprüche zu verzichten, lässt das Ehepaar nicht gelten. Der habe nach dem Einlenken des Bundesrats sein Ziel ja schon erreicht.

Anzeige könnte etwas kosten

Nachdem der Beamte auf dem Schüpfheimer Posten die Anzeige schliesslich zähneknirschend aufgenommen hatte, «wurde mir noch angedroht, dass ich die Kosten für das Verfahren möglicherweise selbst tragen müsse», beklagt sich Maria S. Das muss sie nun eben in Kauf nehmen.

Aber was verspricht sich die politisch «der SVP nahe stehende» Schweizerin überhaupt von ihrer Aktion? «Vielleicht zwingt meine Anzeige wenigstens jemanden zu einer Stellungnahme.»

* Name der Redaktion bekannt

Nicht die erste Anzeige

Die Hausfrau aus dem Entlebuch ist nicht die erste, die wegen Steinbrück zur Polizei lief: In Frauenfeld reichte ein 59-Jähriger ebenfalls eine Anzeige ein, allerdings wegen Verstoss gegen das Anti-Rassismusgesetz. Zu einer Anklage kam es aber nicht: Das Bezirksamt von Frauenfeld hat die Anzeige abgelehnt, weil die beanstandeten Äusserungen – das Indianer-Zitat – in England gemacht wurden.

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