Radarfallen werden immer perfider Heckenschützen schiessen Autofahrer ab

  • Publiziert: 02.10.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Corinne Landolt und Beat Michel

Bremsen vor dem Radarkasten. Dann wieder Gas geben. Das war einmal. Die Polizei ist heute schlauer.

Sie ist von blossem Auge schwer erkennbar: die Kamera an der Schwyzer Grundstrasse. Die Polizei hat sie dort in einem Gebüsch versteckt, um Raser zu überführen.

Mit Erfolg: «Jeder Sechste war zu schnell», sagt Florian Grossmann, Sprecher der Kapo Schwyz. «Einer fuhr mit 114 Stundenkilometern im Achtzigerbereich.»

Auf der Jagd nach Temposündern werden die Behörden immer erfinderischer. Und platzieren Kameras dort, wo sie niemand vermutet. So auch in Schwyz. «Weil der Messbus auf dem schmalen Trottoir keinen Platz hatte, haben die Beamten die Messsonde und die Kamera extern montiert. Die Geräte sind durch Kabel mit den Aufnahmegeräten im Bus verbunden.»

Die Schwyzer scheinen besonders erfinderisch im Umgang mit Rasern: Vor zwei Jahren blitzten sie durch ein Loch in einem Kompostkübel. «Das war eine einmalige Aktion», betont Grossmann. «Wir sind nicht dauernd mit Kompostkübeln unterwegs.»

Aber auch die Obwaldner Polizisten finden innovative Verstecke: Im Juni haben sie in Kägiswil eine Kamera in einem Abbruchhaus versteckt.

45 Autolenker tappten in die Falle – weil sie die Kamera im Fenster nicht sahen. «Die Strecke ist bekannt für Raser. Nach der Messung besserte sich die Situation schlagartig», sagt Martin Kathriner von der Kapo Obwalden.

Die Polizei hätte die Kamera gerne ein weiteres Mal im Haus versteckt. Aber die Hausbesitzer machten nicht mehr mit. Weil sie bedroht wurden.

Ärgerlich für die Polizei. Denn: «Solche Verstecke sind innerorts relativ rar», sagt Kathriner. Ausserorts kann man den Radar im Gebüsch und im Wald verstecken. Aber innerorts ist die Polizei auf die Mitarbeit von Bürgerinnen und Bürgern angewiesen. «Viele Leute fordern, dass wir an ihrer Strasse einen Kasten aufstellen, aber bei sich will ihn niemand.»

Doch das Finden von neuen Verstecken lohne sich, heisst es bei der Kapo Obwalden. «An Orten, an denen wir noch nie gemessen haben, gibt es bis zu 30 Prozent Geschwindigkeitsübertretungen.» Zum Vergleich: Bei fixen Radarkästen sind es bloss bis zu 1 Prozent.

Die Polizei hat die Technik auf ihrer Seite. Anlagen müssen nicht mehr neben der Strasse stehen. Kathriner: «Messungen aus weiterer Distanz sind viel besser geworden.» Die Radar-Heckenschützen können schon aus einem Kilometer Entfernung einen Raser abschiessen.

So kämpft der Bund gegen Radarwarnungen

Bisher warnten einige private Radiostationen vor mobilen Blitzkästen. Mit der neuen Radio-Konzession ist das nicht mehr erlaubt. «Solche Sendungen erfüllen den Leistungsauftrag nicht», sagt Caroline Sauser vom Bundesamt für Kommunikation. «Früher gingen wir davon aus, dass Autofahrer aufgrund solcher Warnungen generell langsamer fahren. Doch sie bremsen vor dem Radar und geben danach wieder Gas.» Verboten sind auch GPS-Navigationsgeräte mit Radarwarnfunktion. Polizei und Zollbehörden beschlagnahmen die Geräte und zeigen deren Besitzer an. Gegen Pager und SMS-Dienste hat der Bund noch nichts in der Hand. Mit einer Änderung des Strassenverkehrsgesetzes sollen aber auch solche Dienste verboten werden.

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