Hasch-Mami erschoss sich bei Razzia in Malters LU, Sohn zieht vor Gericht Dieser Grossdealer verklagt die Polizei!

Bisher war nicht bekannt, wer der mutmassliche Hanf-Grossdealer ist, dessen Mutter (65) sich vor drei Wochen bei einer Razzia in Malters LU erschossen hatte. Jetzt hat BLICK die Spur aufgenommen. Und deckt nun die Machenschaften von Daniel O.* auf.

Die Frau, wegen der die Polizei in Malters während Stunden ein Haus hat umstellen müssen, ist tot. play
Die Frau, wegen der die Polizei in Malters während Stunden ein Haus hat umstellen müssen, ist tot. Keystone/ALEXANDRA WEY

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Er grinst, als hätte er gerade erfolgreich etwas abgeliefert. Doch geliefert ist der Mann jetzt selbst. BLICK weiss: Daniel O.* wurde wegen mutmasslichen Anbaus und Handels von Hanf verhaftet. Seine Mutter Ursula R.* hat sich bei einer Razzia der Polizei in Malters LU vor rund drei Wochen erschossen (BLICK berichtete).

«Wir haben hier gar nicht gewusst, dass Daniel verhaftet wurde», sagt heute eine geschockte Nachbarin von Ursula R.s letzter Adresse im Aargau, wo Daniel O. oft aufkreuzte. «Er war immer so nett.»

«Alle wussten: Sie war schizophren»

Nicht so nett sei seine Mutter gewesen. «Nachdem Ursula nicht mehr Fahrlehrerin war und die Scheidung kam, spinnte sie öfter», so die Nachbarin. «Alle wussten: Sie war schizophren.» Sie sei schon zwei Mal in eine Klinik eingeliefert worden. «Sie kam wieder raus. Wohin sie dann ging, wissen wir nicht. Daniel jedenfalls wurde ihr Vormund.»

Pikant: Wegen Ursula R. musste laut Anwohnern schon im Aargau zwei Mal die Polizei kommen - einmal sogar die Sondereinheit «Argus». Später seien bei ihr im Keller Waffen gefunden worden. «Es waren auch mal zwei komische Typen hier, die nach ihr fragten. Vielleicht hatte sie die Waffen zum Schutz.»

Der Sohn war offiziell im Kurier-Geschäft

Sicher ist: Daniel O. wurde Anfang März verhaftet. Die Polizei kreuzte an einem Ort im Aargau und bei seinem Kurier-Geschäft im Kanton Zürich auf. Dort trugen die Beamten laut Zeugen «Teile einer Hanfplantage» aus dem dritten Stock. Es habe im Gang seit Jahren nach Hanf gerochen, so eine Angestellte einer anderen Firma: «Wir dachten, die Kuriere kiffen im Treppenhaus.»

Im ersten Stock liefen heute die normalen Kurierdienste. Sie hätten nichts mit den Drogen zu tun, sagt ein Angestellter. Die Türe im dritten Stock bleibt versiegelt.

Am 8. März musste im Auftrag der Zürcher Ermittler auch die Luzerner Polizei ausrücken. Zu einem Haus in Malters LU. Doch Daniel O.s Mutter liess sie nicht rein. Sie drohte, auf Polizisten und sich zu schiessen. Sie schoss einmal in der Wohnung und einmal aus dem Fenster.

Als die Verhandlungen scheiterten, stürmte die Polizei nach 17 Stunden die Wohnung - ohne einen Schuss abzugeben.

Mutter tötete das Büsi, dann sich selbst

Ursula R. erschoss mit einem Revolver zuerst ihr Büsi und dann sich selbst. Im zweiten Stock fand die Polizei eine mittelgrosse Indoor-Hanfplantage. Heute bestätigte Muriel Tièche von der Zürcher Staatsanwaltschaft gegenüber BLICK, dass in Malters mehrere Waffen sichergestellt wurden.

«Ursula war schon immer eine tickende Zeitbombe und viele hatten Angst vor ihr», sagt eine Kollegin offen. «Die Luzerner Polizei hat sicher ihr Bestmöglichstes gemacht.»

Anzeige wegen fahrlässiger Tötung

Das sieht der Anwalt von Ursula R.s Sohn anders. Er hat die Einsatzverantwortlichen angezeigt. Wegen Amtsmissbrauch und fahrlässiger Tötung. Die Untersuchung führt ein Staatsanwalt aus dem Aargau.

Gestern Abend folgte gar ein konkreter Vorwurf in der «Rundschau» auf SRF: Die Sondereinheit «Luchs» der Luzerner Polizei habe die Wohnung gestürmt, obwohl Ursula R.s Anwalt Flurin von Planta einen Polizei-Offizier über die psychische Erkrankung seiner Mandantin informiert habe.

Der «Rundschau» lagen Audiomitschnitte dieses Gesprächs vor: Darauf ist zu hören, wie die Frau auch gegenüber ihrem Anwalt eindringlich mit Suizid droht.

Die Mutter fühle sich vom massiven Polizeiaufgebot in die Enge getrieben und habe Angst vor einer Internierung, sagt sie in den Aufnahmen.

«Warum liess er seine kranke Mutter mit Waffen zurück?»

Der Luzerner Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker (SVP) wehrte sich in der Sendung gegen eine Vorverurteilung des Polizeikommandanten Adi Achermann. Er rechtfertigte den Einsatz. «Die Frau hat mit einer Waffe die Polizisten bedroht. Diese haben ihr Leben riskiert.»

Nachdem die Frau auch nach Verhandlungen von 17 Stunden nicht zur Aufgabe gebracht werden konnte, habe sich die Polizei entschieden einzugreifen.

Auf den Vorwurf des Sohns, die Polizei habe von der psychischen Krankheit der Frau gewusst, entgegnete Winiker: «Wenn er ein fürsorglicher Sohn ist: Warum lässt er denn seine psychisch kranke Mutter mit gefährlichen Waffen alleine in einem Haus?»

Winiker wies darauf hin, dass es sich um einen Einsatz gegen die organisierte Kriminalität gehandelt habe. «Wir haben nicht nur ein paar Hanfpflänzchen gefunden, sondern eine ganze Plantage sowie Waffen.»

* Namen der Redaktion bekannt

Publiziert am 30.03.2016 | Aktualisiert am 31.03.2016
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52 Kommentare
  • Thomas  Tschumi aus Winterthur
    31.03.2016
    Ich frage mich wo das Gewissen des Anwalts ist, der so einen Verbrecher noch ermutigt vor Gericht zu ziehen. Wie kann man bewusst Kriminelle vertreten nur um damit Geld zu verdienen? Schämt man sich bei der Lohnauszahlung nicht in Grund und Boden?
  • Mathias  Börsch aus Mainz
    31.03.2016
    Das gehört inzwischen zum Ritual. Gangster zeigen die Polizei an und behaupten, die Polizeibeamten seien übergrifflich geworden und hätten unverhältnismäßige Gewalt angewendet. Und, es finden sich immer Sympathisanten solcher Strafanzeigen. Getreu dem Motto: "Polizei ist nur gut, wenn ich selbst Schutz brauche." Ansonsten wird auf die Polizei gehetzt und keiner möchte was mit ihr zu tun haben. Kann so eine Einstellung auf Dauer gut gehen ? Ich denke nicht :-(
  • Roland  Gasche , via Facebook 31.03.2016
    Die Herren Müller und Wasmer schätzen sich selber als besonders schlau ein. Sie waren wohl beide vor Ort und sie kennen so scheint es jedes Detail dieses Falls, darum können Sie ja auch den besonders "intelligenten" Zusammenhang zwischen Parkbussen und einer Selbsttötung herstellen. Stellt sich die Frage wer hier tatsächlich naiv und unwissend ist.
  • Gian  Zender , via Facebook 31.03.2016
    Anklagen kann man jeden und es finden sich immer Anwälte, die solche wenn auch aussichtlosen Fälle übernehmen. Bleibt jetzt nur zu hoffen, dass der zuständige Staatsanwalt das Verfahren gleich wieder einstellt.
  • Toni  Baumgartner 31.03.2016
    So, genug ist genug. Hätte die Frau einen Polizisten oder eine Drittperson erschossen, würde der Polizei vorgeworfen, sie hätte nicht gehandelt und die Frau unschädlich gemacht. Greift die Polizei ein, heisst es, sie hätte das nicht tun dürfen. All ihr Polizeihasser, was um Gottes Willen hätte denn die Polizei machen müssen? Die Frau hatte eine Waffe und hat sich auch benutzt. Also heisst es eingreifen und die Wohnung stürmen. Alles Andere wäre fahrlässig gewesen.
    • Marc  Zingg 31.03.2016
      Auch die Frau muss mal schlafen, das Polizei-Aufgebot (sichtbar) ums Haus verkleinern, evtl. Sohn auf Platz holen, usw.
      Würde einige Möglichkeiten geben bevor man stürmt.
    • Mark   Richard 31.03.2016
      Aber genau so ist es. Macht man nichts, oder nicht das richtige ist man nicht innovativ. Wenn man dann zuviel oder das falsche macht, hat man die Kompetenzen überschritten... allen Leuten recht getan, ist eine Kunst die Niemand kann.
    • Susanne  Reich 31.03.2016
      Herr Zingg: Man weiss nie wieviel Zeit man hat in solchen Momenten. Im Nachhinein kann man mit guten Ideen um sich werfen, doch im Ernstfall. Ich denke, die Polizei riskiert gerade in solchen Momenten ihr eigenes Leben. Wir sollten froh sein, dass es solche Einsatzkräfte gibt.