Folter, Filme, «Penis-Taufe» Quäl-Rekruten zu Geldstrafen und Bussen verurteilt

SCHWYZ - In der Truppenunterkunft in Elm GL haben im Juni 2014 sieben Rekruten zwei ihrer Kollegen gefesselt und misshandelt. Jetzt wurden sie wegen Angriffs, Freiheitsberaubung und Nötigung verurteilt.

Der Bundesrat lenkt ein und will den Zahlungsrahmen für die Armee in den nächsten vier Jahren auf 5 Milliarden Franken pro Jahr aufstocken. (Archivbild) play
Rekruten misshandelten in Elm GL zwei Kameraden (Symbolbild). Keystone

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Alle gegen einen. Die beiden Angriffe, die Anfang Juli 2014 nachts in der Truppenunterkunft in Elm GL passierten, waren hinterhältig und feige: Sieben Rekruten der Infanterie-RS 11 hatten zwei ihrer Kameraden gefesselt und misshandelt.

Seit Montag standen die Beschuldigten in Schwyz wegen Angriff, Freiheitsberaubung und Nötigung vor der Militärjustiz. Heute wurden Angeklagten in den schwereren Fällen für schuldig befunden.

Sie kassierten bedingte Geldstrafen und Bussen. Der Strafrahmen reicht dabei von 140 Tagsätzen zu 110 Franken bis zu zehn Tagsätzen à 120 Franken. Hinzu kommen bei zwei verurteilten Soldaten zu entrichtende Bussen von 2750 und 700 Franken.

In einem Fall widerrief das Gericht eine zuvor auf Bewährung ausgefällte Geldstrafe. Der zu 140 Tagsätzen verurteilte Wehrmann muss 40 von ihnen zahlen. Ein Soldat muss die gesamten Gerichtskosten von gut 4150 Franken bezahlen, die anderen sechs zwischen 500 und 4000 Franken.

Täter filmten ihre Grausamkeiten

Die Quäl-Rekruten kommen aus den Kantonen Schaffhausen, Zürich und St. Gallen. Sie bestritten die Vorwürfe mehrheitlich. Ihre Opfer stammten aus den Kantonen Glarus und Tessin.

Der junge Mann aus dem Kanton Glarus erklärte, er sei von den Beschuldigten aus Rache attackiert worden, weil er einen anderen Rekruten vor der Bande in Schutz genommen habe.

Der Glarner schilderte den Angriff vor dem Militärgericht: Er wurde mit Kabelbindern und reissfestem Klebeband ans Kajütenbett gefesselt. Dann stülpten ihm die Peiniger einen mit dem Wort «Ratte» beschrifteten Sack über den Kopf.

Sie traktierten den Rekruten mit Schlägen in den Bauch und filmten die Quälerei. Schliesslich vollzog einer der Rekruten eine sogenannte «Penis-Taufe» an dem wehrlosen Glarner. Das bedeutet, dass er seinen nackten Penis über den Kopf des Gefesselten hielt.

Erst, als der Glarner sich bewusstlos stellte, liess die Bande von ihm ab.

Gewaltsam geblendet

Im zweiten Fall konnte sich das Opfer nicht erklären, weshalb es ins Visier seiner sadistischen Kameraden geriet. War es purer Spass an Grausamkeiten?

Der gefesselte Tessiner wehrte sich, als ihm die Angreifer einen Sack über den Kopf stülpen wollten. Also überlegten sich die Peiniger einen anderen Weg, damit ihr Opfer nicht sehen konnte, wer ihm was antat: Sie blendeten ihn mit dem Weisslicht eines Sturmgewehrs, wie es im Gericht heisst.

Als der Rekrut seine Augen schloss, öffneten sie ihm eines der Augenlider gewaltsam und blendeten ihn weiter. Dem Tessiner gelang es daraufhin, einen Arm frei zu bekommen und auf einen der Peiniger einzuschlagen. Schliesslich gelang es ihm auch, den anderen Arm aus der Schlinge zu ziehen und einen weiteren Angreifer am Hals zu packen. Die Täter gaben schliesslich auf.

Am nächsten Tag ging der Tessiner zu einem Arzt. Wegen der Blendung brannten ihn die Augen. Zudem hatte er starke Kopfschmerzen und konnte offenbar nur noch verschwommen sehen. Der Arzt diagnostizierte eine Bindehautreizung und erklärte den Rekruten zu 100 Prozent arbeitsunfähig.

Die nun gefällten Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Sie können ans Militärappellationsgericht weitergezogen werden. (bau/noo/SDA)

Publiziert am 02.12.2016 | Aktualisiert am 19.12.2016
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