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Seine letzten Passagiere hinterliessen sichtbare Spuren: Naseer Muhammad Mirza zeigt Blick.ch den verschmierten Rücksitz. (Sabine Wunderlin)
Kurz vor 23 Uhr in der Nacht auf Heiligabend kommt der Anruf: «Der Mann bestellte eine Fahrt zum Kantonsspital», erzählt Taxifahrer Naseer Muhammad Mirza. «Er war ganz aufgeregt.»
Kein Wunder. Denn die Frau von Berhe Merhawi (27) kommt von der Arbeit nach Hause, hat starke Bauchkrämpfe. Sie ist im 6. Monat schwanger. Da gibts nur eins: Tesfay (32) muss so schnell wie möglich ins Spital.
Zum Glück kennt der seit 13 Jahren in der Schweiz lebende Taxifahrer aus Pakistan die Stadt. Hektik pur. Trotzdem kann er den Vater noch fragen, warum er denn nicht die Ambulanz gerufen habe. «Er sagte mir, er habe 114 gewählt», sagt Mirza. Aber es habe niemand abgenommen. «Da hab ich ihm gesagt, die Nummer sei 144.»
Noch im Taxi kommt das Kind
Die werdenden Eltern stammen aus Eritrea, sprechen schlecht deutsch. Sie erwarten ihr drittes Kind.
Die Fahrt von Horw ins Luzerner Kantonsspital wird Taxifahrer Mirza nie vergessen: «Die Frau schrie immer mehr.» Er habe noch versucht, das Ehepaar zu beruhigen. Und nach wenigen Minuten sei er auch schon am Notfall angekommen. «Jetzt brüllte die Frau: ‹Ich sehe schon den Kopf!› Alles war voller Blut.»
Der Taxichaffeur rennt zum Empfang, holt eine Bahre. Dann stürzen auch schon Notfallschwestern herbei und bringen Mutter und Baby in den Gebärsaal.
Doch das Frühchen wird kein Weihnachtskind. Morgens um 3 Uhr hört sein Herz auf zu schlagen. «Wir sind sehr traurig», sagen die Eltern zu Blick.ch.
Mirza kann nun nicht Taxifahren
Taxifahrer Mirza ist auch traurig. Zuerst freute er sich über seinen ungewöhnlichen Einsatz. Denn er ist selber noch kinderlos. Doch jetzt war seine Hilfe vergebens. Und nicht nur das: Er kann heute nicht arbeiten. Wegen dem Blut auf dem Rücksitz ist sein Auto derzeit unbrauchbar. «Und das an den Weihnachtstagen!» Wenn das Geschäft eigentlich am besten laufe.
Der Oberarzt habe ihm gesagt, er solle den Fall der Versicherung melden. Heute um 18 Uhr möchte er wieder auf Tour gehen. «Doch wo bekomme ich jetzt so schnell einen Ersatzwagen her?», fragt Mirza besorgt.
Doch grösser als die Sorgen um sein Geschäft ist sein Mitleid mit den Eltern.
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Held Mirza braucht dringend einen Ersatzwagen. Sonst geht sein Weihnachtsgeschäft verloren. (Sabine Wunderlin)