Vom Frauenhändler zum Politiker Die SVP machts möglich

LUZERN – Wenns um die Linientreue geht, versteht man in der SVP keinen Spass. Wie der Fall René Kuhn zeigt, ist man weniger wählerisch, wenn einer mal nicht so eine reine Weste hat.

  • Publiziert: 12.08.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Georg Nopper
play So titelte der BLICK vor zehn Jahren.

Der Präsident der SVP Stadt Luzern äusserte sich abfällig über die linken Schweizer Frauen. Er schimpfte sie «Vogelscheuchen» und betitelte sie als «ungepflegte, verfilzte Weiber». Jetzt trat er unter dem öffentlichen Druck von seinen politischen Ämtern zurück.

100 Ausländerinnen in die Schweiz gebracht

Bereits vor zehn Jahren hatte BLICK über den Mann berichtet, als er noch der Freiheitspartei angehörte und für den Nationalrat kandidierte. Damals kam Kuhn in die Schlagzeilen, weil er Dominikanerinnen, die in der Schweiz einen Mann suchten, vermittelte. Gegen 100 Ausländerinnen hat er seinen damaligen Angaben zufolge in die Schweiz gebracht.

Dabei nahm er grosszügig in Kauf, dass die Frauen vielleicht sogar auf dem Strich landeten. Auf den Vorwurf, dass er durch seine Vermittlertätigkeit möglicherweise der illegalen Prostitution Vorschub geleistet habe, sagte er bloss: «Vielleicht. Ich weiss es nicht.»

SVP-Politiker trotz zweifelhafter Vergangenheit

Obwohl Kuhn seine Tätigkeit als Frauenhändler selbst zugab, nahm ihn die SVP in ihren Reihen auf. Nicht nur als einfaches Parteimitglied, sondern gar als Amtsträger: Er wurde Stadtparlamentarier, Geschäftsleitungsmitglied der SVP des Kantons Luzern, Mitglied des Zentralvorstandes des SVP Schweiz und Präsident der SVP Stadt Luzern.

Fragt man bei der SVP der Stadt Luzern nach, so scheint die Erinnerung verblasst. Der Sekretär kann nicht mehr sagen, wie es dazu kam: «Ich weiss es schlicht nicht mehr», sagt Urs Wollenmann. Aber es habe schliesslich nie eine Verurteilung gegeben. «Deshalb gehe ich von der Unschuldsvermutung aus.» Bei der Portierung von Kandidaten prüfe man jedenfalls immer Betreibungs- und Strafregister – und die seien bei Kuhn sauber gewesen.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, hat René Kuhn inzwischen aber ein Strafverfahren am Hals. Weil er private E-Mails eines SP-Politikers tamilischer Abstammung auf seiner Homepage veröffentlichte, steht er im Verdacht der Internetspionage und wurde deshalb gestern von der Polizei befragt.

Strafverfahren Sache der Ortssektion

Bei der SVP nimmt mans locker: «Es ist Aufgabe der Ortssektion, sich mit dem auseinanderzusetzen», so Generalsekretär Martin Baltisser zu Blick.ch. «Ich habe zur Kenntnis genommen, dass man sich in Luzern damit befasst.» Weiter wollte er sich zum Fall nicht äussern.

Für den Präsidenten der SVP des Kantons Luzern, Nationalrat Josef Kunz, «kann man nie zu hundert Prozent die Garantie haben», dass ein Kandidat eine saubere Weste hat. Er würde aber nichts unternehmen, bis ein rechtskräftiges Urteil gesprochen sei.

Erst René Kuhns abschätzige Äusserungen über die linken Frauen brachten für Kantonalpräsident Kunz das Fass zum Überlaufen. «Das Mass ist voll», sagt er dazu. Kuhn sei für die Partei nicht mehr tragbar.

play Hat nichts mehr zu lachen: René Kuhn trat unter dem öffentlichen Druck von seinen politischen Ämtern zurück. (Keystone)

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