René Kuhn Der «Weiberlästerer» tritt zurück

LUZERN – Er schimpfte gegen «linke, verfilzte Frauen», beschimpfte sie als «Vogelscheuchen». Jetzt zieht der Präsident der SVP Stadt Luzern die Konsequenzen und wirft das Handtuch.

  • Publiziert: 12.08.2009, Aktualisiert: 14.01.2012
play René Kuhn. (Keystone)

Der Präsident der SVP der Stadt Luzern, René Kuhn, tritt von seinen politischen Ämtern zurück. Dies kündigt er heute auf seiner Homepage an. Er kommt damit einem drohenden Parteiausschluss zuvor.

Kuhn ist nicht nur Präsident der städtischen SVP, sondern auch Stadtparlamentarier, Geschäftsleitungsmitglied der SVP des Kantons Luzern und Mitglied des Zentralvorstandes der SVP Schweiz.

Kuhn schreibt, er habe seinen Rückzug aus der Politik ohnehin auf den Herbst dieses Jahres geplant, weil er die Verantwortung für das schlechte Abschneiden der SVP bei den kommunalen Wahlen im Juni übernehme.

Er will «Medienschlacht» nicht mehr mitmachen

Nun gebe er seine Ämter ein paar Wochen früher ab, schreibt er. Er wolle die «Medienschlacht» nicht länger mitmachen, der SVP keinen Schaden zufügen und seine Familie nicht mit in den Schmutz ziehen.

Kuhn hatte sich abschätzig über die linken Frauen in der Schweiz geäussert, die weder Schmuck tragen noch sich schminken würden. Er beschimpfte sie als «Vogelscheuchen» und als «ungepflegte, ‹verfilzte› Weiber».

Der Präsident der SVP des Kantons Luzern, Nationalrat Josef Kunz, sagte, Kuhn sei damit für die Partei nicht mehr tragbar. Doch Kuhn verteidigt sich: Er verweist auf die positiven Reaktionen, die er erhalten habe. Offenbar habe er ein Tabu gebrochen und sei Sprecher einer «grossen schweigenden Gemeinschaft» gewesen.

Verdacht auf Internetspionage, Polizei ermittelt

René Kuhn führte auf seiner Homepage eine Kampagne gegen den Luzerner SP-Kantonsrat Lathan Suntharalingam. Der Informatiker veröffentlichte dazu private E-Mails des Politikers tamilischer Abstammung.

Gegen Kuhn läuft deshalb ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Internetspionage, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.

Kein unbeschriebenes Blatt

Kuhn war schon früher als zwielichtige Figur in Erscheinung getreten: Vor zehn Jahren betrieb er mit einer Vermittlungsfirma Handel mit Frauen aus der Dominikanischen Republik, die in der Schweiz einen Mann suchten.

Und sein ehemaliger Arbeitgeber Glasi Hergiswil jagte ihn mit Schimpf und Schande davon, weil er im Verdacht stand, mit fingierten Rechnungen mehrere Tausend Franken veruntreut zu haben. (SDA/noo)

play Kuhn als Frauenhändler aufgeflogen: So berichtete BLICK vor 10 Jahren über den Politiker.

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