Arbeitslos Das ist der Stunt-Raser von Appenzell

  • Publiziert: 02.08.2008, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Lorenz Honegger und Benno Kälin

Mit 86 km/h und seiner Freundin auf der Kühlerhaube wurde Roger K.* geblitzt. Ihre kurze Berühmtheit müssen die beiden nun teuer bezahlen: Der Chef hat beide fristlos entlassen.

Roger K.s (22) Beine zittern noch, als er sich in einem St. Galler Restaurant zum Gespräch mit SonntagsBlick trifft. «Wir hätten nicht gedacht, dass wir so schnell entlassen würden», sagt er niedergeschlagen und bestellt eine Cola. Eigentlich ist er Lastwagenfahrer, seine Freundin Marina L.* (22) auch. Ein kühner Streich kostete das Liebespaar erst den Führerschein – und jetzt auch noch den Job.

Der Grund sorgte im ganzen Land für Schlagzeilen: In der Nacht vom 5. auf den 6. Juli wird Roger K. zusammen mit seiner Freundin in Heiden AR geblitzt: er am Steuer ihres roten Golfs, sie auf der Kühlerhaube!

Die Polizei veröffentlicht das Foto, Dutzende Zeitungen im In- und Ausland drucken es ab. Hans P.* (62), Chef der beiden Stunt-Raser, ist entsetzt. Er kündigt den beiden fristlos. «Ich bin enttäuscht von Roger und Marina. Das war kein harmloser Bubenstreich», sagt er zu SonntagsBlick.

Film nachgeahmt

Die Idee zur verhängnisvollen Fahrt kam den beiden spontan in einer Appenzeller Dorfbeiz. «Wir redeten über die Autostunt-Szene im Film «Death Proof». Meine Freundin wollte das unbedingt ausprobieren», erzählt Roger K. Gesagt, getan. Zuerst übten sie auf einer abgelegenen Landstrasse.

«Marina legte sich rücklings auf die Kühlerhaube und fixierte ihr Handgelenk wie im Film mit einem weissen Stoffgurt vorn am Auto.» Anfangs trat Roger nur leicht aufs Gaspedal. Marina spornte ihn an: «Komm Schatz, fahr schneller!»

Und all das, obwohl sie nach eigenen Aussagen keinen Schluck Alkohol getrunken hatten: «Wir sind Chauffeure, das ist Ehrensache. Für uns war es nicht gefährlicher als eine Fahrt mit dem Töff.»

Doch auch ohne Alkohol wurden die beiden immer übermütiger: «Wie wäre es, wenn wir uns blitzen lassen?» Ab ins Nachbardorf! Denn dort steht eine Radarfalle. «Vor der Fahrt schraubten wir das Nummernschild ab. Wir waren überzeugt, dass uns die Polizei eh nie finden würde.»

Doch schon eine Woche später standen Polizisten vor Marinas Haustür. Ihr Beweis, dass sie das richtige Fahrzeug aufgespürt hatten: ein Kleber auf der Karosserie.

Jetzt hoffen Roger und Marina, dass sie möglichst bald ihr Billett zurückerhalten, um wieder Lastwagen fahren zu können. Doch Roger K. drohen noch weitere Schwierigkeiten: Die Staatsanwaltschaft prüft, gegen ihn ein Verfahren wegen Gefährdung des Lebens einzuleiten.  

* Namen der Red. bekannt.

Die Idee aus dem Splatter-Film

 Das Drehbuch zum Appenzeller Auto-Stunt stammt nicht von Roger K. und Marina L.:

In Quentin Tarantinos (45) Film «Death Proof» (Todsicher) legt sich die blonde Zoë bei voller Fahrt auf die Kühlerhaube. Im Gegensatz zu Marina L. hält sich Zoë an zwei Gurten fest, nicht nur an einem.

Die berühmte Szene hat weltweit Nachahmer auf den Plan gerufen, einige zeigen ihre Mutproben auf YouTube.
play Todesrausch Die verhängnisvolle Raser-Szene aus Quentin Tarantinos «Death Proof». (Dimension Films)

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