Todesraser von Emmen Darum muss er nicht ins Gefängnis

  • Aktualisiert am 03.01.2012

EMMEN (LU) – Robert S. rast im Juni 2007 in eine Baustelle auf der A2 bei Emmen. Vier Arbeiter sterben und fünf werden schwer verletzt. Doch ins Gefängnis muss der Todesraser nicht.

Am 28. Juni 2007 raste der damals 28-jährige Robert S.* mit mindestens 1,39 Promille Alkohol und gegen 90 Stundenkilometern in eine Baustelle auf der A2 bei Emmen (Blick.ch berichtete). Er habe einfach Gas gegeben und es habe ihn nach rechts hineingezogen, gab er zu Protokoll.

Er hinterliess ein Blutbad. Vier Arbeiter wurden tödlich, vier weitere teils schwer verletzt. Indirekt forderte der Unfall ein weiteres Opfer. Eveline R.*, die Freundin eines tödlich verletzten Arbeiters, konnte den Unfall nicht verkraften und nahm sich das Leben.

Am 26. November 2009 fand vor dem Amtsgericht Hochdorf der Prozess gegen Robert S. statt. Der Staatsanwalt forderte die maximale Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Der Verteidiger plädierte für maximal eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe.

Verminderte Schuldfähigkeit

Das Gericht sprach den Mann unter anderem der mehrfachen fahrlässigen Tötung sowie der mehrfachen fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig. Es verurteilte ihn zu dreieinhalb Jahren Gefängnis. Doch der Todesraser wurde nicht eingesperrt. Denn die Strafe wurde zugunsten einer stationären psychiatrischen Behandlung aufgeschoben.

Das Gericht begründet das so: Der Angeklagte leidet seit dem Jahr 2000 an einer paranoiden Schizophrenie. Er hat Halluzinationen, hört Stimmen, wähnt sich von Spionen verfolgt. Er war deshalb schon in der Psychiatrie.

2007 setzte er allerdings die Medikamente ab und begann zunehmend Alkohol zu trinken. Den Führerausweis erhielt er nur unter der Bedingung absoluter Nüchternheit.

Für den den Verurteilten sprach, dass er im Verfahren kooperationsbereit war, Reue zeigte und sich bei den Angehörigen der Opfer brieflich entschuldigte. Auch habe sich sein Zustand seit der Einweisung in die Psychiatrie nach dem Unfall stabilisiert. (gca/SDA)

*Name der Redaktion bekannt

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