Beat S. (22) wurde in der RS gequält. Letzte Woche standen seine Peiniger vor Gericht «Gut, hat man sie verurteilt»

ELM GL - Jetzt spricht das Opfer der Quäl-Rekruten, Beat S. (22). «Ich bin froh, dass die Täter für ihr Verbrechen verurteilt wurden», sagt er. Der Soldat bleibt stark und tritt heute sogar seinen ersten WK an.

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Sie haben ihn gefesselt, geschlagen und gequält: Minenwerfer Beat S. (22) litt stark unter der brutalen Attacke und der «Penis-Taufe», die er in seiner Rekrutenschule mitmachen musste. Einige seiner angeblichen Kameraden erniedrigten ihn im Juli 2014 im Truppenlager Elm GL. Sie fotografierten und filmten den kranken Übergriff mit dem Handy und verschickten die Bilder per Whatsapp.

Auch ein Tessiner Rekrut wurde überwältigt und mit einem Weisslicht geblendet. Das Militärgericht verurteilte die sieben Angeklagten am Freitag in den schweren Fällen wegen Angriffs, Freiheitsberaubung und Nötigung. Sie kassieren bedingte Geldstrafen und Bussen zwischen 700 und 2750 Franken (BLICK berichtete). Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

«Aus Angst musste ich schreien»

Heute kann Beat S. wieder etwas lächeln. «Ich bin einfach nur froh, dass die Täter für ihre Verbrechen verurteilt wurden», sagt er zu BLICK. In seinem Fall sind es die Soldaten Björn W., Bernard N. und Timon W.

Die drei haben Beat S. nachts im Bett überwältigt: Sie zogen ihm einen Schuhsack mit der Aufschrift «Ratte» übers Gesicht, fesselten ihn mit Kabelbindern. «Ich war im Tiefschlaf», sagt Beat S. leise. «Aus Angst musste ich schreien.» Trotzdem machten die Angreifer weiter. Sie schlugen das wehrlose Opfer in den Bauch. Als Krönung kam es zur berüchtigten «Penis-Taufe»: Einer hielt ihm das Glied über den Kopf. «Die Bilder haben sie danach mit dem Handy herumgeschickt», sagt Beat S. 

Täter zeigen keine Reue

Nach dem Übergriff leidet der Glarner an Schlafstörungen, Panikattacken und plötzlicher Atemnot. Aus Angst vor weiteren Übergriffen meldet er den Vorfall erst vier Wochen später, kurz vor RS-Ende. «Der Kommandant schaltete sofort die Militärpolizei ein», sagt Beat S. Aus seiner Sicht handelte sein Vorgesetzter korrekt: «Für mich bleibt die Schweizer Armee eine gute Sache.» Aber: «Diese Weicheier haben mir meine RS zerstört.»

Die Täter zeigen bis heute keine Reue, haben sich nie entschuldigt. Im Gegenteil, einer der Verurteilten drohte ihm sogar vor der Verhandlung auf Facebook: «Ein Tipp. Zieh die Anzeige zurück. Im Leben kommt alles retour.» Doch Beat S. lässt sich nicht einschüchtern. Heute tritt er sogar seinen ersten WK an. Seine Peiniger sind nicht dabei.

* Namen der Redakion bekannt

Publiziert am 05.12.2016 | Aktualisiert am 05.12.2016
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27 Kommentare
  • tamara  spielhofer aus buochs
    05.12.2016
    ... es kommt im Leben alles Retour..... da hat der Bengel recht. Nur hat er glaub nicht verstanden was damit eigentlich gemeint ist. Solche Möchtegern Bubis die nur in Gruppen stark sein können, gehören nicht ins Militär! Die Bussen sollten 10 mal so hoch sein! Ich frage mich echt, was haben diese Bengel für eine Kinderstube gehabt!!??
  • Koni  Kadir , via Facebook 05.12.2016
    Man weiss zu wenig, was die Rekruten ausgefressen haben, damit man diese dem Red-Code (US-Bezeichnung) unterstellen musste. Kann sein, dass die ganze Kompanie unter diesen zu leiden hatte und man Disziplinierungsmassnahmen durchführen musste. War in der 80er Jahren gang und gäbe.
    • Jürg  Brechbühl aus Eggiwil
      05.12.2016
      Solche Geschichten, wo man zum Beispiel den Feldweibel disziplinieren musste, weil er die Rekruten schikanierte kenne ich aus meinem Freundeskreis. Nur hat dort niemand mit Photos herumgeprahlt, sondern man hat es einfach gemacht und dann waren alle froh, wenn es vorbei war.
  • Edith  Hauser , via Facebook 05.12.2016
    Keine Reue und keine Entschuldigung!
    Solche "Menschen" gehören nicht in unsere Armee! Das geht nicht unter "Taufe", das war Körperverletzung! Solche Machenschaften müssen aufs schärfste bestraft werden.
  • sandro  b 05.12.2016
    Schade, ja wirklich schade, dass die "Strafen" so milde ausfallen. Wo hat den das Wort "Strafe" seinen Sinn? 1. Schreckt sowas Nachahmer überhaupt nicht ab und 2. Wir quasi bestätigt, dass es gar nicht sooo schlimm war und sich die Täter der Schuld noch weniger bewusst sind.
  • Arbeit  Nehmer 05.12.2016
    Das was "Beat" erdulden musste ist Usanz und gehört halt dazu, auch wenn ich es nicht gut finde. Schlimm ist das was dem Tessiner angetan wurde. Körperliche Schädigungen gehen gar nicht. Ich denke auch, dass Beat die Retourkutsche gewiss ist. In den WKs sieht man seine RS-Kameraden erfahrungsgemäss wieder.....
    • Dany  Meier , via Facebook 05.12.2016
      Ich hätte den Tätern auch ein paar Fäuste verpasst und diesen Nonsens so geregelt, aber sowohl meine Position als Unteroffizier wie auch mein Verständnis von Moral verpflichten mich klarzustellen, dass das was dort geschehen ist das Niveau des tragbaren Humors bei weitem überschreitet und auf gar keinen Fall geduldet werden oder unbestraft bleiben darf!
    • Thomas  Müller 05.12.2016
      Die, welche immer aus der Reihe tanzen, so dass dann alle im Zug darunter Leiden müssen, bekommen natürlich ihr Fett weg, das war damals bei uns wie auch zu Vaters Zeiten schon so. Leider gibts immer ein paar Affen die masslos übertreiben. Hier erkenne ich aber weder nen triftigen Grund, noch ist so ne Aktion überhaupt zu rechtfertigen...einfach nur ne primitive Tat von ein paar feigen Mitläufern. Und dann noch von Retourkutsche reden...befremdend.
    • Rolf  Stüssi 05.12.2016
      Aha! Im Militär gehörts dazu. Dann komme ich mal zu Dir nach hause und mach das gleiche. Gehört das dann auch "dazu"?
    • Susanna  Frei 05.12.2016
      "Körperliche Schädigung geht gar nicht". Aber psychische ist dann erlaubt? Wie krank ist denn diese Einstellung? Ich hoffe für Sie, dass Sie nie so fertiggemacht werden. Die Täter gehören von der Armee ausgeschlossen. Beat wünsche ich von Herzen alles Gute und einen guten Start in denWK.