Samih Sawiris, Ägyptischer Investor «Andermatt ist für mich der Anfang»

  • Publiziert: 15.45 Uhr, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Roman Seiler und Guido Schätti
play Der ägyptische Investor Samih Sawiris und Skilegende Bernhard Russi posierten im April 2009 vor dem zu überbauenden Gelände in Andermatt UR. (Ke)

Für eine Milliarde Franken stampft Samih Sawiris in Andermatt ein Ferienresort aus dem Boden. Bernhard Russi ist sein Mann vor Ort. Das Doppelinterview.

Sechs Hotels mit 844 Zimmern, 490 Wohnungen, 30 Ferienhäuser: Diese Woche präsentierte Samih Sawiris erstmals konkrete Pläne für sein Resort in Andermatt UR. Im Herbst beginnen die Arbeiten, in vier Jahren werden die Hotels erste Gäste empfangen. SonntagsBlick traf den ägyptischen Investor auf dem Baugelände, zusammen mit Skilegende Bernhard Russi, der im Verwaltungsrat von Sawiris Andermatter Gesellschaft sitzt.

Herr Sawiris, Andermatt ist Ihr erstes Projekt in den Alpen. Haben Sie Herrn Russi als Bergführer engagiert?
Sawiris: Bernhard ist ein Tourismusspezialist und stammt aus der Gegend. Zudem hat er eine hervorragende Intuition.

Sie sagten sich: Wenn ich Russi im Boot habe, so habe ich die ganze Schweiz hinter mir.
Sawiris: Sie unterschätzen den Wert von Herrn Russi, wenn Sie ihn nur als Werbeträger betrachten, der auf Fotos freundlich lächelt. Im Verwaltungsrat brauchen wir keine Stars, sondern Leute, die mitdenken und mitarbeiten. Dass Bernhard nicht nur Experte ist, sondern auch beliebt, ist ein zusätzlicher Bonus.

Andermatt wird durch das Projekt völlig umgepflügt. Herr Russi, haben Sie keine Angst, dass Ihre Heimat ihren Charakter verlieren wird?
Russi: Nein, Andermatt wird sich zwar verändern, aber nicht negativ. In 15 Jahren wird Andermatt rund 5000 Betten haben, dazu eine moderne Infrastruktur mit Liftanlagen und Sportzentren. Die Qualität wird sehr viel besser sein als in Orten mit 1500 Einwohnern und 30000 Betten.
Sawiris: Vor zwei Wochen war ich in einem sehr bekannten Westschweizer Skiort. Dort braucht man mittlerweile Ampeln auf den Pisten, Skifahren ist lebensgefährlich. In der ganzen Woche habe ich keinen einzigen Schweizer getroffen. Es wäre traurig, wenn Andermatt sich in diese Richtung entwickeln würde. Mit unserem Projekt wird das aber nicht passieren.

Wollen Sie eine Schweizerquote einführen?
Sawiris: Wenn es nach mir ginge, würde ich nur an Schweizer verkaufen. Aber Schweizer sind nun mal nicht sehr entscheidungsfreudig. Sie warten erst mal ab, wie sich alles entwickelt.

In welchen Ländern ist das anders?
Sawiris: In Deutschland, Italien und England.

Trotz Krise?
Durch die Krise sind höchstens fünf Prozent der Reichen arm geworden, 95 Prozent sind noch immer sehr wohlhabend. Sie sind sogar zu solideren Kunden geworden, weil sie ein Angebot besser prüfen, bevor sie kaufen. Auch die Schweiz profitiert von der Krise, weil sie keine Immobilienblase hat. Es ist nicht leicht zu verstehen, aber es stimmt: Diese Krise ist gut für uns, wir werden besser verkaufen!

Sie haben die Zahl der Wohnungen aber von 720 auf 490 reduziert. Wegen der Rezession?
Sawiris: Nein. Ich habe festgestellt, dass wir zu dicht bauen, wenn wir die erlaubten Ausnutzungsquoten voll ausschöpfen. Durch die Reduktion werden die Wohnungen heller, und auf die Strassen fällt mehr Licht.

Eine Reduktion um ein Drittel ist aber happig.
Sawiris: Die Wohnfläche hat weniger abgenommen als die Zahl der Appartements. Unsere Recherchen ergaben, dass die Leute grosse Wohnungen mit vielen Zimmern möchten.

Viele haben noch immer Angst, Sie könnten das Projekt in letzter Minute stoppen.
Sawiris: Orascom hat über 100 Millionen Franken reserviert für Andermatt. 30 Millionen haben wir schon investiert, dieses Jahr werden es nochmals 25 Millionen sein. Uns war von Anfang an bewusst, dass wir in eine Krise geraten können, und wir haben deshalb vorgesorgt.

Planen Sie weitere Resorts in der Schweiz?
Wenn mir jemand ein interessantes Projekt vorlegt, höre ich immer zu. Ich habe bereits ein paar Ideen. Etwas Neues anpacken werde ich aber erst, wenn die Bagger in Andermatt aufgefahren sind. Dann braucht es mich hier nicht mehr so oft.

Andermatt ist für Sie also nur ein Pilotprojekt, von dem aus Sie weitere Vorhaben in der Schweiz in Angriff nehmen?
Sawiris: Wenn Andermatt mein einziges Projekt in der Schweiz wäre, hätte ich den Sitz der Gesellschaft nicht hierhin verlegt. Andermatt ist für mich der Anfang. Wir werden mit Sicherheit weitere Möglichkeiten prüfen. Und wenn sie so gut sind wie Andermatt, werden wir sie auch in die Tat umsetzen.

Das ganze Interview lesen Sie im SonntagsBlick.

Persönlich

Samih Sawiris
Die Familie Sawiris gehört zu den reichsten Ägyptens. Samih (52) trat nach dem Studium an der TU Berlin in die Familienholding Orascom ein. Den Grundstein seines Erfolgs legte er mit dem Bau des Ferienresorts El Gouna am Roten Meer. Sawiris ist koptischer Christ, verheiratet und Vater von fünf Kindern.

Bernhard Russi
31 Jahre nach seinem Rücktritt vom Skisport gehört der Andermatter noch immer zu den populärsten Schweizern. Russi (60) arbeitet als TV-Experte und BLICK-Kolumnist, ist Verwaltungsrat bei Sawiris Andermatt Alpine Destination Company und der Modefirma Bogner.
play Tatkräftig: Mit Hilfe von Russi und Redaktor Schätti steigt Sawiris auf die Baggerschaufel. (Karl-Heinz Hug)

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