ERSTFELD - Der Ehemann von Serviertochter Nataliya K. heuerte einen Auftragskiller an, um seine Frau zu ermorden. Das Gericht hat sein Urteil gefällt.
Im spektakulären Prozess um den Erstfelder Mordanschlag ist das Urteil gefallen. Das Gericht in Altdorf UR verurteilt Puff-Besitzer Ignaz W.* (44) zu 10 Jahren Haft. Auftragskiller Saša S.* (23) kriegt 8,5 Jahre aufgebrummt. Opfer Nataliya kriegt 10'000 Franken Genugtuung.
Für das Gericht sind die Angeklagten skrupellos und verwerflich. Als Motiv sieht es bei Ignaz W. den Kampf um das Sorge- und Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn. Auch habe er Angst gehabt, dass seine Frau Interna ausplaudern könnte. Schliesslich sei es um den Zugriff auf ein Erbe gegangen. Dem Komplizen sei es, weil er in Schulden steckte, um Geld gegangen.
Verteidigung und Anklage haben beide bereits Berufung gegen das Urteil angekündigt.
Oberstaatsanwalt Bruno Ulmi hatte 15 Jahre Gefängnis für den Puffbesitzer Ignaz W. und 12,5 Jahre für Auftragskiller Saša S. gefordert. Dass die beiden nun schuldig gesprochen wurden, sei für ihn das «einzig richtige Urteil», sagte Ulmi zu Blick.ch.
Die Verteidung hingegen wollte beide Angeklagten freigesprochen sehen. Ein Motiv für Ignaz W. fehle. Die Verteidigung von Saša S.* argumentierte, die Anklage habe den Tathergang konstruiert, die Aussagen der Hauptzeugen seien wertlos.
Das Opfer des Anschlags Nataliya K. wirkte nach dem Prozess deutlich mitgenommen. Sie ist jedoch erleichtert über das Urteil. «Mir fällt ein Stein vom Herzen», sagt sie nach der Urteilsverkündung.
Voraus geht eine brutale Geschichte: Auftragskiller Saša S. schoss am 12. November 2010 in Erstfeld UR kurz nach Mitternacht drei Mal aus dem Hinterhalt auf die 33-jährige Serviertochter Nataliya K.* (BLICK berichtete).
Rasch äusserte Nataliya einen Verdacht: «Mein Noch-Ehemann versuchte, mich loszuwerden.» Denn sie hatte sich von Ignaz getrennt und den gemeinsamen Sohn Pawel mitgenommen. Noch in der gleichen Nacht wurde ihr Mann Ignaz W. verhaftet, sitzt seither in U-Haft.
Das alleinige Sorgerecht wurde ihr zugesprochen. Ihr Mann, Besitzer eines Cabarets, habe einen Auftragskiller engagiert, ist sie sich sicher.
Die Anklageschrift zeigt die Hintergründe des Anschlags. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt: Ignaz W. wollte sich «aus Habgier und/oder aus anderen verwerflichen Motiven» seiner Ehefrau «entledigen», wollte so seine Geldprobleme lösen.
Kurz vor Weihnachten 2010 schnappte die Polizei auch den Schützen, den Kroaten Sasa S.
Ignaz W. ist weiter der versuchten Tötung angeklagt: Er schoss am 4. Januar 2010 gegen fünf Uhr vor seinem Puff in Erstfeld auf einen Kunden, der etwa 10 bis 15 Meter entfernt stand. Zuvor hatte Ignaz W. mit dem Holländer im Cabaret Streit.
Elf Monate später feuerte Sasa S. mit der gleichen Waffe auf Nataliya K.: Eine Damenpistole der Marke Blow Mini, Kaliber 8 Millimeter, abgeändert auf Kaliber 6,35 Millimeter. (num/bgt)
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