Wohin bloss mit den Asyl-Bewerbern?

  • Publiziert: 11.11.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

BERN – Die Zahl der Asylbewerber steigt rasant: Um 24 Prozent nahmen die Gesuche im Oktober zu. Doch die Unterkünfte sind schon fast voll. In Bern wurde sogar der Asyl-Notstand ausgerufen.

Im Oktober verzeichnete die Schweiz 2116 neue Asylgesuche, wie das Bundesamt für Migration (BFM) auf seiner Homepage mitteilte. Im September waren es noch 1703 gewesen – 24 Prozent weniger.

Bereits seit einigen Monaten sind die Asylzahlen wieder am Steigen. So wurden in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 30 Prozent mehr neue Asylgesuche gezählt als in der Vorjahresperiode 2007.

Notstand im Kanton Bern

Im Kanton Bern stellt die Stadt Biel deshalb zwei Zivilschutzanlagen als Unterkünfte für Asylsuchende zur Verfügung. Die Anlagen werden am 17. November respektive am 24. November geöffnet.

Die Betreuung der Asylsuchenden übernimmt der Verein Asyl Biel und Region, wie der Kanton Bern mitteilte. Die Zentren sind rund um die Uhr betreut. Für die Sicherheit um die Zentren ist die Polizei zuständig.

Der Kanton Bern hatte im Oktober den Engpass bei der Unterbringung von Asylsuchenden zur Notlage erklärt. Dadurch konnte er Gemeinden verpflichten, Zivilschutzanlagen zur Verfügung zu stellen. Neben Biel müssen dies auch Bern, Köniz und Uetendorf tun. In Bern haben zwei Anlagen bereits ihren Betrieb aufgenommen.

Genf will Zivilschutzanlagen vermeiden

Der Kanton Genf wiederum verfügt nur noch während einigen Monaten über genügend Kapazitäten für Asylbewerber. Im Vergleich zum Vorjahr wurden dem Kanton im laufenden Jahr zwischen Januar und September 50 Prozent mehr Asylsuchende neu zugeteilt. Genf übernimmt 5,6 Prozent der Personen, die in der Schweiz Asyl ersuchen und beherbergt zurzeit insgesamt 4000 Asylsuchende.

Nun sucht der Kanton nach Lösungen, um nicht auch auf Zivilschutzanlagen zurückgreifen zu müssen. Zurzeit studiert man Möglichkeiten, um neue oberirdische Unterkünfte zu eröffnen.

Mehrausgaben von 25 Millionen Franken

Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf einigte sich letzten Donnerstag mit den Kantonen darauf, dass der Bund den Kantonen 25 Millionen Franken für deren Mehrkosten im Asylwesen bezahlt.

Angefallen waren die Mehrausgaben der Kantone, weil der Bund seinen Verpflichtungen angesichts der stark angestiegenen Zahl von Asylgesuchen nicht nachkommen konnte.

Widmer-Schlumpfs Vorgänger Christoph Blocher war davon ausgegangen, dass der Bund die Asylsuchenden während mindestens sechs Monaten in zusätzlichen Unterkünften selbst betreuen könnte. (SDA)

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