ZÜRICH – Wie sicher sind Schweizer Studis, wenn ein Lebensmüder an ihrer Uni Amok läuft? Blick Online fragte nach: Gegen ein Blutbad wie in Blacksburg gibts kaum ein Rezept.Horrorvision an der Zürcher Uni: Mittwochvormittag, hunderte Wirtschafts-Studenten drängeln sich in einen der grössten Hörsäle im Hauptgebäude. Professor Peter Wehrli doziert über die Kniffe des Marketing-Wesens. Dann betritt ein zu allem entschlossener Student in einer tiefen Lebenskrise die Aula. Er entsichert sein Sturmgewehr, das seit der RS in seinem Schrank stand und das er zusammengeklappt in seiner Umhängetasche in die Uni geschmuggelt hat. Er ballert wild um sich, während die Studierenden in Todesangst Deckung hinter den Vorlesungsbänken suchen. Der Killer weiss: Er hat die letzte Kugel für sich reserviert, er wird die nächsten Minuten nicht überleben. Aber das gilt auch für Dutzende seiner Kommilitonen, für die der rettende zweite Ausgang viel zu weit weg liegt.Wie wappnen sich die Schweizer Unis gegen ein solches Schreckenszenario? Ganz unterschiedlich: Die grösste Schweizer Bildungsstätte, die Uni Zürich, gibt sich am professionellsten: Rund um die Uhr ist die Alarmzentrale besetzt. Dröhnen Schüsse durch die Aulen oder Wandelhallen, können Betroffene über eine interne Notfallnummer sofort Alarm schlagen. Die Sicherheitsverantwortlichen würden darauf Studierende und Professoren in den grösseren Hörsälen über Lautsprecher auffordern, sich in Sicherheit zu bringen, erklärt die Kommunikations-Delegierte Christina Hofmann «Es gibt keine absolute Sicherheit. Gott bewahre, aber wir können nicht ausschliessen, dass jemand eine Handgranate in einen Hörsaal wirft», sagt Christoph Pappa, Generalsekretär der Universität
Bern. Die Wissensfabrik in der Bundesstadt liegt auf über 30 Gebäude verteilt im Quartier – ein eigener Sicherheitsdienst wäre somit illusorisch. Doch die Berner haben immerhin einen Sicherheitsbeamten, bei dem alle Fäden zusammen laufen. Und die
Polizei ist ganz in der Nähe stationiert und könnte im Notfall in Minutenfrist eingreifen, betont Pappa. Die Uni
Basel hingegen kann keinen konkreten Plan aus der Schublade ziehen, wenn ein Killer zum Amoklauf auf dem Unigelände ansetzt. Die Verantwortlichen würden aber prüfen, ob ein solches Konzept künftig nötig sei, verspricht Reto Caluori von der Kommunikationsabteilung. Bis es soweit ist, müssen die Basler Studenten auf ein promptes Eingreifen der Stadtpolizei hoffen. «Das würde nicht länger dauern als überall sonst in der Stadt», so Caluori. Die renommierte Kaderschmiede Hochschule St. Gallen (HSG) möchte ihre Sicherheitsbemühungen nicht kommentieren. Diese seien allerdings sehr umfassend, versicherte eine Mitarbeiterin am Telefon.Die Hörsäle der grossen Deutschschweizer Unis verfügen über die gesetzlich vorgeschriebenen Notausgänge. Ob das aber ausreicht, um zu verhindern, dass die Aulen sich bei einem Amoklauf in tödliche Käfige verwandeln? Wenn ein Wahnsinniger wie wild um sich schiesst, bleibt auch den Sicherheitsleuten der Uni Zürich nichts anderes übrig, als sich zu ducken und auf die Polizei zu warten. Denn sie verfügen über keine
Waffen.Niemand will aus den Unis Hochsicherheitstrakts mit waffenstrotzenden Sicherheitsgorillas machen. Doch es ist nicht mehr zeitgemäss, dass nicht sämtliche Schweizer Hochschulen über ein umfassendes Sicherheitskonzept verfügen.