
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Nach den Mohammed-Karikaturen: In Beirut zündete die wütende Masse die dänische Botschaft an.- Reuters
2006 veröffentlichte eine dänische Zeitung mehrere Mohammed-Karikaturen. Einige europäische Zeitungen druckten diese nach. Im Februar 2006 reagierten Islamisten mit gewaltsamen Demonstrationen in grossen Teil der muslimischen Welt. Dänische Botschaften wurden abgebrannt, dänische Waren boykottiert. Im Juni 2008 zündeten Terroristen eine Bombe vor Dänemarks Botschaft in Islamabad, acht Menschen wurden getötet. Sind solche Reaktionen jetzt auch gegenüber Schweizer Einrichtungen zu befürchten? Uni-Professor Albert Stahel glaubt das nicht.
Blick.ch: Herr Stahel, hat Sie das Ergebnis der Abstimmung überrascht?
Albert Stahel: Nein, überhaupt nicht. Die Schweiz und speziell der Bundesrat hatten in der letzten Zeit zu viele Probleme. Man denke nur an die Libyen-Affäre. Das hat viele Leute beeinflusst.
Jetzt zeigen sich aber alle erstaunt über das Ergebnis.
Das Schlimme daran ist, dass man offenbar auch im Bundesrat nicht daran geglaubt hat.
In Dänemark war nach den Mohammed-Karikaturen die Hölle los.
Das war aber etwas anderes. Die Karikaturen griffen den Propheten Mohammed an, die zentrale Figur des islamischen Glaubens. Die Minarette sind lediglich ein Symbol. Daher glaube ich nicht, dass so etwas in diesem Masse der Schweiz bevorsteht. Was aber feststeht: Es wird in der islamischen Welt ganz sicher zu Protesten kommen.
In welchem Ausmass?
In einigen Ländern müsste man vielleicht die Bewachung auf Botschaften verstärken. Ich denke da an Pakistan, Libanon, vielleicht auch Ägypten. Dass man die Bewachung verstärkt, in höherer Alarmbereitschaft ist, ist keine Provokation. Da muss man einfach vorbeugend denken.
Könnte es in der Schweiz Anschläge von Terroristen geben?
Nein, das glaube ich nicht. Dazu braucht es ein Netzwerk von Leuten im In- und im Ausland. In der Schweiz gibt es kaum Extremisten. Das terroristische Gebräu, das in Afghanistan aus den Taliban und der organisierten Kriminalität entstanden ist, wird sich nicht gegen die Schweiz richten.
Warum?
Weil wir neutral sind. Die Schweiz ist in vielen Organisationen nicht vertreten, etwa der Nato. Für einige islamische Länder ist diese ein rotes Tuch vor allem wegen dem Krieg in Afghanistan. Zudem haben wir in der islamischen Welt als Vermittler immer noch einen guten Ruf.
Auch nach dieser Abstimmung?
Ja. Einen angekratzten, aber immer noch einen guten Ruf. Man darf nicht unterschätzen, was die Schweiz in der islamischen Welt bedeutet. Für die Financiers wird sich nicht viel verändern. Da ist die Schweiz als Finanzplatz wichtiger.
Sicherheitsexperte Dr. Albert Stahel glaubt nicht an Anschläge in der Schweiz.- ZVG