Klimaforscher über Hagel und Gewitter Wird das Wetter immer extremer?

ZÜRICH - Kräftige Gewitter, Hagel und Überschwemmungen musste die Schweiz diese Woche ertragen. Müssen wir uns auch in Zukunft mit solchen Ereignissen abfinden? Ein Klimaforscher weiss Bescheid.

  • Publiziert: 06.07.2012
  • Von Kathrin Kocher
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Reto Knutti, Klimaforscher ETH Zürich.

(ZVG)

Die Prognosen sind düster. Bis Mitte Juli soll es jeden Tag Gewitter geben, schreibt Meteomedia. Ein stabiles Hoch ist nicht in Sicht. Ist das wirklich normal?

«Grundsätzlich sind starke Gewitter und Hagel normal für die Sommerzeit», sagt Reto Knutti, Klimawissenschaftler an der ETH Zürich.

Thun war aussergwöhnlich

An gewissen Orten waren die Unwetter dieser Woche aber auch für den Klimaforscher speziell — etwa in der Region Thun.

«Ich konnte es fast nicht glauben, als ich die Bilder und Videos der Zulg sah», sagt Knutti zu Blick.ch. «Ein Bach, der sonst kaum Wasser hat, führt richtige Holzwände mit!»

In Zukunft mehr starke Niederschläge

Müssen wir uns in Zukunft an solche Wassermassen gewöhnen? «Aufgrund der Physik und der vergangenen Ereignisse erwarten wir, dass wärmere Temperaturen zu einer Verstärkung des Wasserkreislaufes und mehr extremen Ereignissen führen — es ist ein leichter Trend in diese Richtung hin auszumachen», erklärt Knutti.

In der Vergangenheit hätten weltweit Starkniederschläge tatsächlich zugenommen. Knutti: «Diese sind mit relativ hoher Sicherheit auf menschliches Handeln zurückzuführen.»

Komplizierte Schweiz

Auch in der Schweiz gebe es eine Tendenz zu mehr extremen Ereignissen, aber die sei weniger klar, sagt Knutti.

«Auf so kleinem Raum passiert weniger und wir haben schlicht zu wenig Ereignisse, um einen deutlichen Trend zu erkennen und lokale Voraussagen zu machen.»

Mehr Leute — mehr Schäden

Zwei Dinge gibt der Klimaforscher zu bedenken. «Unsere Wahrnehmung spielt uns manchmal einen Streich: Alles was speziell scheint, behalten wir besser im Gedächtnis», sagt Knutti. So wirken Wochen wie diese, in denen es viel gewittert und hagelt, besonders heftig.

Zweitens: Extreme Ereignisse verursachen grosse Schäden und hohe Kosten. «Wir müssen aber bedenken, dass wir heute mehr Leute sind, wir viel mehr und verwundbarere Infrastruktur haben», sagt Knutti.

Die gleiche Überschwemmung hätte vor 50 Jahren keine so grossen Schäden verursacht, wie sie es heute tut — weil nichts und niemand da gewesen sei.

So entsteht Hagel

«Hat es in einer normalen Wolke genügend Feuchtigkeit, dann bilden sich kleine Tröpfen, diese schliessen sich zu grosse Tropfen zusammen, und es regnet», erklärt Klimaforscher Reto Knutti.

 

In Gewitterwolken hingegen gebe es oft starke Aufwinde, weil sich der Boden und die bodennahe Luft durch die Sonne erwärmt und dann aufsteigt.

 

«Ist dieser Aufwind stark genug, dann werden die Wassertröpfen nach oben transportiert, wo es sehr kalt ist. Sie gefrieren dort, fallen nach unten, nehmen mehr Wasser auf und werden wieder nach oben transportiert», sagt Knutti.

 

Mit jedem Aufsteigen werde das Hagelkorn grösser, bis es zu schwer sei, und vom Aufwind nicht mehr getragen wird. Dann fällt es auf den Boden.

 

Beliebteste Kommentare

  • Meyer  Roman , Aarau
    Das Wetter macht was es will. Zum Glück kann kein Mensch das Wetter beeinflussen. Das Wetter war schon immer Gefährlich.
    Wir bauen immer näher an Flüsse, Hänge, Berge und Seen, klar das es immer mehr Schäden gibt. Es hat alles schon mal gegeben. 1955 kam bei uns der Fluss auch über das Ufer, heute stehen Häuser da.
  • Jean-Philippe  Ducrey
    Oje die Zürcher.... jetzt bekommen die mal ein bisschen Regen und Hagel ab und schon ist man der Meinung, dass die Welt sich geändert.

    In vielen Regionen der Schweiz gehören Gewitter und Hagelstürme ganz einfach zum normalen Sommer.
    Aber das wissen die Zürcher halt nicht da liegt Mallorca halt näher.

Alle Kommentare (16)

  • Roland  Rebmann , via Facebook
    für was bezahlen wir unsere meteo leute denn, die sollten es ja wissen und nicht vermutungen schreiben;wie das wetter wird. alles sehr ungenau. schade.
    • 06.07.2012
    • 1
    • 10
  • Peter  Kuederli , Titusville FL
    Noch vor 2 Wochen wollten uns diese Wetterfroesche weismachen, dass nun 7 Wochen schoenstes Sommerwetter sein werde. Man sollte sie wirklich fuer den Unsinn welchen sie taeglich rauslassen nicht auch noch bezahlen. Dann koennten sie ehrlich sagen, wir wissen, dass wir unwissend sind. Damit haetten sie fuer einmal sicherlich recht.
    • 06.07.2012
    • 2
    • 7
  • Martin  Sollberger , Lufingen
    Das einzige was unsere Wetterfrösche mit Sicherheit sagen können ist: Nachts stellenweise Dunkel, am Tag einige Aufhellungen
  • R.  Meier
    Raecht sich die Natur am Menschen,der Mensch durch sein Wirken fuer mehr und noch mehr,wird zum Mitverursacher.
    Kein Mensch kann das Wetter beinflussen,da traeumen Sie was hier sehen ist die Auswirkung des Menschen in den letzten tausenden von Jahren....
    • 06.07.2012
    • 8
    • 15
  • Schober  Markus , Thun , via Facebook
    Das Klima ist nur die halbe Wahrheit. In der Holzlawine ist viel Totholz mitgekommen. Trotz den Erfahrungen 2005 wird in der betroffenen Region nur das rentable Holz abgeführt. der Rest liegt in den Gräben. Kommt ein Gewitter wie am Mittwoch wird das Holz weggeschwemmt. Wers nicht glaubt geht selber schauen!!!
    • 06.07.2012
    • 42
    • 2
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