Die Familie des Toten spricht im BLICK «Wir wissen nicht, wie es ohne Papi weitergehen soll»

Vahid H.* (†48) wollte Kartoffeln holen. Doch der Familienvater aus Yverdon VD kehrte nie nach Hause zurück.

  • Aktualisiert: 30.07.2012
  • Von Biljana Jovic und Mark Walther
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Familienvater Vahid H. († 48) wollte bei einem Bauern Kartoffeln kaufen gehen, als es zum Unfall kam.

Sein Mercedes prallt am Samstagmorgen an einer Kreuzung mit dem Traktor von SVP-Nationalrat Jean-Pierre Grin (65) zusammen. Vahid H. wird durch die Scheibe auf die Stras­se geschleudert. Er ist sofort tot (BLICK berichtete).

Grin erklärte: «Ich habe ihn einfach nicht gesehen. Er muss aus dem toten Winkel gekommen sein. Der Wegweiser muss ihn verdeckt haben.»

Die Familie von Vahid H. ist tieftraurig. «Vahid war wirklich ein guter Mensch», sagt seine Frau Umija (46). «Er war so hilfsbereit. Wir wissen nicht, wie es ohne ihn weitergehen soll. Als der Unfall passierte, war er auf dem Weg, um bei einem Bauern Kartoffeln und anderes Gemüse zu kaufen.»

Nationalrat Grin hat Familie H. besucht, versucht, ihren Schmerz zu lindern, sich zu erklären. «Er war 20 Minuten lang da und hat uns sein Beileid ausgesprochen. Man hat ihm angesehen, dass es ihm leid tut. Seine Worte kamen ehrlich rüber. Aber Hilfe hat er uns keine angeboten», sagt Umija H.

Wie es zum tödlichen Unfall kam und wer daran Schuld trägt, wird von den Behörden untersucht. Hat Landwirt Grin einen Fehler gemacht? Oder war Vahid H. etwa zu schnell unterwegs?

Sohn Hamed (20) erklärt: «Natürlich war der Unfall keine Absicht von Herrn Grin. Wir machen ihm keine Vorwürfe. Aber jemand muss die Verantwortung übernehmen. Wir sind froh, dass jetzt eine Untersuchung läuft.»

Vahids Familie macht Grin keine Vorwürfe

Hamed meint: «Die Polizei sagte mir, dass Herr Grin nicht gebremst hat an der Kreuzung. Aber mein Papi war auch nicht angeschnallt.»

Er sagt aber: «Wären die Rollen vertauscht und mein Vater der Todesfahrer, sässe er sicher längst in Haft. Weil Herr Grin Politiker ist, wird er besser behandelt.»

Als Flüchtling war Vahid H. vor fast 20 Jahren in die Schweiz gekommen. Seine Familie würde ihn gerne in Bosnien beisetzen. «Aber die Überführung allein kostet schon 3500 Franken. Wir wissen nicht, wie wir das bezahlen sollen», sagt Umija H. Noch durfte die Witwe ihren toten Ehemann nicht sehen. «Der Gang ins Leichenhaus wird schwer für uns», sagt sie. Ihre beiden Söhne versuchen, ihre Mutter zu unterstützen.

Umija H. muss an der Wirbelsäule operiert werden. Die Nachricht vom Tod ihres Mannes hat sie noch weiter gesundheitlich angegriffen. «Jetzt habe ich nur Gott und die Familie, auf die ich zählen kann», sagt Umija H.

* Name der Redaktion bekannt

Grin verlor Sohn bei einem Unfall

SVP-Nationalrat Jean-Pierre Grin (65) ist tief betroffen von den Folgen des schrecklichen Unfalls von Pomy VD. Das Schicksal von Vahid H. (†48) und seiner Familie geht ihm nicht aus dem Kopf.

«Es ist wahnsinnig traurig», sagt Grin. «Es ist schwierig, mit dem Geschehenen umzugehen. Nur Schritt für Schritt gelingt es mir, diese Tragödie zu verarbeiten», so der Landwirt. Vor 32 Jahren, sagt Jean-Pierre Grin, sei sein eigener Sohn bei einem Unfall ums Leben gekommen. «Klar, nach dem Unglück vom Samstag kommen all die Emotionen von damals wieder hoch. Ich denke noch oft an meinen Sohn.»

Grin erklärt aber auch: «Nicht mein eigenes Schicksal steht jetzt im Vordergrund. Meine Gedanken und mein aufrichtiges Mitgefühl sind bei der Familie des verstorbenen Autofahrers. Ich kann mir vorstellen, was die Angehörigen jetzt durchmachen.»

Werden Prominente bei Unfällen mit Samthandschuhen angefasst?»

Beliebteste Kommentare

  • Maja  Ziegler
    Mein Beileid gilt den Hinterbliebenen des Unfallopfers. Es hilft ihnen jedoch nicht, wenn jetzt eine Hetzkampagne gegen den "Unfallverursacher" stattfindet, weil er der SVP angehört. Toleranz für alle Beteiligten ist angesagt. Maja Ziegler
  • Peter  Kay , Niedergösgen
    Für beide Familien ist dies eine Tragödie. Mein Beileid allen Beteiligten. Ich habe vor 30 Jahren ein anders Auto übersehen und es ging haarscharf an einem Unfall vorbei. Bis heute kann ich nicht verstehen, weshalb ich das Auto übersehen habe. Solche Dinge geschehen, so tragisch es auch enden kann. Heute schaue ich lieber zwei oder drei Mal.

Alle Kommentare (11)

  • Hanspeter  Rüegg
    Ich wünsche allen die hier so selbstgerecht schreiben, dass sie nie einen Unfall auf der Strasse bauen. Anscheinend sind das alles Leute denen niemals ein Fehler unterlaufen kann. Manchmal bekommen dann gerade solche Personen irgendwann im Leben mal die Quittung.
    • 31.07.2012
    • 49
    • 2
  • Hans-Erich  Fiechter , Langenthal
    Für die Hinterbliebenen sicher eine Tragödie, mein Beileid. Aber was hat die Parteizugehörigkeit bei einem solchen Unfall zu suchen. Hier wird wieder Hetze von der übelsten Sache gegen die SVP betrieben. Ob die gleichen "Schreiberlinge" bei einem ähnlichen Unglück eines Linken oder Grünen auch die Partei in den Vordergrund rücken wage ich zu bezweifeln.
  • Meier  Anton , Ebikon
    Nicht das der Unfall schon schllimm genug währe. Nein, jetzt muss auch noch politisiert werden damit. Ist ja super, wenn der Traktorfahrer ein SVPler ist und das Opfer ein Ausländer. Perfekt für gewisse kreise, nicht?
  • Hans Peter  Mathieu , Leuk , via Facebook
    Die Bauern haben am meisten Nachholbedarf im Strassenverkehr, egal ob sie mit dem Mercedes, Audi, BMW oder Traktor unterwegs sind. Ihr Markenzeichen ist speziell das "ohne Licht fahren" am Tag, Dämmerung und Regen.
  • Sandro  Antognazzi , Niederuzwil
    Mein Beileid an die Familie. Machen auf mich einen gut integrierten Eindruck.
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