«Wir sind schlauer als der Radar»

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Matthias Pfander

Autofahrer greifen zur Selbsthilfe. Mit einem regionalen Infodienst. So warnen sie einander vor den Radars.

Angefangen hat es im Toggenburg. Mittlerweile gibt es die regionalen Radarwarnungen zum Mitmachen auch für das Rheintal, für Luzern und Zug.

Die Idee dazu hatte Fredi Looser (36). Als Monteur ist er den ganzen Tag im Toggenburg unterwegs. So haben sich in seinem Leben schon etwa 80 Bussen wegen überhöhter Geschwindigkeit zusammengeläppert.

«Ich bin kein Raser. Ich war jeweils nur ein wenig zu schnell», sagt Looser. Die Bussen muss er aus dem eigenen Sack bezahlen. Auch wenn er mit dem Geschäftsauto unterwegs ist. «50 Meter nach einer 50er-Tafel die Geschwindigkeit zu messen – das finde ich einfach eine Sauerei.»

Deshalb begann Looser seine Kollegen per SMS zu warnen, wenn er einen neuen Blitzkasten entdeckte oder sah, dass die Polizei gut versteckt mit einer Laserpistole auf Automobilisten zielte. Er weiss längst, wo die Beamten am liebsten stehen. Es begann vor zwei Jahren mit einem SMS an 20 Kollegen. Am Schluss bedient er 500 Leute mit den Meldungen. Teuer für Looser.

Heute läuft dieser Dienst mit Namen Polinf immer noch per SMS. Aber jeder Empfänger bezahlt 20 Rappen pro Nachricht. Wer eine neue Radarfalle entdeckt, ruft auf eine Telefonnummer an, um sie zu melden. Von dort aus wird die Meldung an alle Abonnenten in der betroffenen Region verschickt. Insgesamt zählt Looser heute über 1000 Kunden.

Radarwarngeräte sind in der Schweiz verboten. Und die Warnfunktion im GPS, im Navi, darf man auch nicht einschalten, sonst droht eine Busse. Die Selbsthilfe ist hingegen legal. «Wenn das verboten werden soll, machen wir ein Referendum», sagt Looser. «Ich bin sicher, dass wir damit durchkämen.»

Ähnlich funktioniert der Service auf radar.ch. Er wird ebenfalls von den Automobilisten per Telefon mit den neusten Informationen gefüttert. Die können dann über eine gebührenpflichtige Hotline abgehört, per Pager oder Handy empfangen werden.

Vorteil: Die ganze Schweiz ist abgedeckt. Nachteil: Unter Umständen empfängt man auch Meldungen für Regionen, die einen nicht interessieren.

Die Bürger von Pully bei Lausanne brauchen weder den einen noch den anderen Dienst. Denn dort kündigt es die Polizei auf ihrer Webseite gleich selbst an, wenn sie Kontrollen durchführt.

Und im Tessin kommt es am 20. Oktober zu einer Radar-Debatte im Parlament. Das Anliegen: Im Kanton sollen Schilder auf die zehn fix installierten Radarfallen hinweisen. Denn ein Raserproblem habe man im Tessin nicht, heisst es.

Autofahrer greifen zur Selbsthilfe: Was halten Sie davon?

Selbsthilfe: Per Handy warnen Selbsthilfegruppen vor Radarfallen.

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