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Die Kritik der Motorrad-Fahrer ist hart: Um Autofahrer zu schützen, riskiere das Bundesamt für Strassen ASTRA tödliche Motorrad-Unfälle. Nachdem in Stäfa ein Motorrad-Fahrer bei einer Kollision mit einem Inselschutz-Pfosten gestorben ist, mag die IG Motorrad nicht mehr tatenlos zuschauen. Präsident Theodor Klossner packt aus.
Rutschmatten auf der Fahrbahn
«Mit den Narrenpfeilen stellt uns das Bundesamt Todesfallen», sagt Klossner. «Narrenpfeile» nennen er und seine Biker-Kollegen die weissen Pfeile bei Tunneleinfahrten mit Gegenverkehr und Autobahneinfahrten. Sie sollen schlimme Unfälle von Geisterfahrern verhindern, würden aber die Töff-Fahrer gefährden. «Bei Regen ist die Rutschgefahr mit dem Motorrad gewaltig», sagt Klossner.
Zudem seien die Pfeile genau auf der Ideallinie positioniert. So weiche ein Töff-Fahrer auch bei trockenem Boden automatisch von der sichersten Fahrlinie ab, um nicht über die weissen Pfeile zu fahren. «Intuitiv geht man davon aus, dass es gefährlich ist, über den weissen Belag zu fahren», sagt Klossner. Das ASTRA habe nach dem Motto «Lieber ein toter Töff-Fahrer als ein gefährdeter Autofahrer» gehandelt. «Wir riskieren unser Leben für die Autofahrer», so Klossner.
ASTRA unter Druck
Das ASTRA wehrt diese Kritik ab. Das Bundesamt gebe sich Mühe, die Motorrad-Fahrer nicht zu gefährden, sagt ASTRA-Sprecher Michael Müller. Doch nach schlimmen Unfällen mit Geisterfahrern seien sie gezwungen gewesen, diese Pfeile als Sicherheitsmassnahme anzubringen. «Auf der Strasse müssen wir vielen Interessen nachkommen. Alle zufriedenzustellen, das gelingt nie zu hundert Prozent.»
Lügt das ASTRA?
Als die ersten Richtungspfeile aufgemalt wurden, hätte das Bundesamt für Strassen auf Wunsch der IG Motorrad die Arbeiten abgebrochen und das Material ausgetauscht. «Für die Sicherheit der Motorrad-Fahrer haben wir auf den Richtungspfeilen einen rutschfesten Belag auf die weisse Farbe aufgetragen», sagt Müller. Das sei vor eineinhalb Jahren passiert. Seither hätten sie keinen Kontakt zur IG Motorrad mehr gehabt.
Ein vom ASTRA-Direktor Rudolf Dieterle signierter Brief an die IG Motorrad zeigt jedoch ein anderes Bild. «Es ist klar, dass für motorisierte Zweiräder das Risiko eines Ausrutschens auf einer Markierung bei nasser Fahrbahn nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann», steht geschrieben. Das ASTRA habe aber eine «eigentliche Risiko- und Güterabwägung vorgenommen und entschieden, alle möglichen, sinnvollen Massnahmen zur Verhinderung von Falschfahrten (...) umzusetzen.» Der Brief wurde vor einem halben Jahr verfasst und liegt Blick.ch vor.
Leiden für die Dummen
Dass Motorradfahrer in einer Risiko- und Güterabwägung das Nachsehen haben, versteht Theodor Klossner nicht. Ohne die schützende Karrosserie eines Autos seien sie auf den Nationalstrassen ohnehin die verwundbarsten Verkehrsteilnehmer. Er ist sicher, dass es bereits Unfälle gegeben hat. Doch in der Schweiz würden Unfälle nicht genau ausgewertet und die Versicherungen halten ihre Daten unter Verschluss. Gäbe es unter den Autofahrern keine Narren, wären die «Narrenpfeile gar nicht erst nötig».