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Seit zwei Wochen schrillt das Telefon bei der katholischen Kirche des Kantons Zürich deutlich häufiger. «Es rufen ständig Leute an – nur um zu fragen, wie man aus der Kirche austritt», sagt der Informationsbeauftragte Aschi Rutz.
Zu verdanken haben das die Zürcher Katholiken ihrem Papst Benedikt XVI. Seit der den britischen Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson wieder in die Kirche aufnahm, herrsche «Irritation und Empörung», so Rutz.
Empörung, die auch die grosse Politik erfasst hat. Gestern griff die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Papst ungewöhnlich deutlich an, verlangte eine Klarstellung, die bisherigen Erklärungsversuche des Vatikans seien unzureichend. Noch am Abend wies ein Sprecher des Papstes die Merkel-Forderung zurück. Der Papst habe alles Nötige zu dem Thema gesagt.
Austritte aus der Kirche nehmen zu
Hat er offenbar nicht: In der Stadt Luzern ist die Austrittswelle schon in vollem Gang. Viermal mehr Kirchenmitglieder als sonst erklärten dort in den letzten sechs Tagen schriftlich ihren Austritt: bereits 23 statt der üblichen 3 bis 4 pro Woche.
«Das ist sicher eine deutliche Reaktion», sagt Florian Flohr, Sprecher der katholischen Kirche Luzerns. Er sagt, die meisten Ex-Schäfchen würden dasselbe Austrittsmotiv nennen: «Im Vordergrund steht eindeutig die Holocaust-Frage.»
Auch das katholische Pfarramt St. Gallen spürt die Folgen des umstrittenen Papst-Entscheides. Zwei Katholiken erklärten in den letzten Tagen deswegen offiziell den Austritt. Und in der katholischen Hochburg Freiburg lag bereits am Tag nach dem Papst-Entscheid das erste Austrittsschreiben auf dem Pult der Kirchensekretärin.
In den katholischen Pfarr¬ämtern geht die Angst um. Noch ist nicht abzuschätzen, was ihnen der Kirchenvater da wirklich eingebrockt hat. «Es dauert immer eine Weile, bis die Austritte kommen», sagt Florian Flohr.
In Zürich will man noch nicht Bilanz ziehen. «Bis jemand mehr macht als bloss die Faust im Sack, braucht es schon einiges», sagt Aschi Rutz. «Man muss sich setzen, einen Brief schreiben und ihn auch noch abschicken.»
Das Angstdatum kommt Ende März. Dann, so fürchten die katholischen Pfarrämter, könnte es Austritte hageln – denn Ende März ist die Steuererklärung fällig. «Dann werden viele auch gleich ihren Austritt aus der katholische Kirche erklären», befürchtet Rutz.
Die Hoffnung, dass sich die Wut, die Verbitterung vieler Gläubiger bis dahin gelegt haben könnte, ist schwach. Und sonst bleibt den Pfarrämtern nur eins: Beten.