«Wir klagen auf hohem Niveau»

  • Publiziert: 01.08.2005, Aktualisiert: 02.01.2012

MAGGLINGEN BE – Die Schweizer jammern zu viel, dabei gehe es dem Land sehr gut: Bundespräsident Schmid hat in seiner 1.-August-Rede zum Volk gesprochen.

Bundespräsident Samuel Schmid hat die Schweizer Bevölkerung zu einem offenen Blick in die Zukunft aufgerufen. In der traditionellen Radio- und Fernsehansprache zum 1. August appellierte er an alle Bewohnerinnen und Bewohner, die Erfolgsgeschichte Schweiz fortzusetzen. Der Schweiz gehe es gut – aber sie müsse sich bewegen.

Schmid, der sich für seine Rede via TV einen Platz hoch über dem Bielersee beim Bundesamt für Sport in Magglingen ausgesucht hatte, würdigte den Nationalfeiertag als «Tag der Dankbarkeit, des Innehaltens, der Besinnung und des Ausblicks».

Es sei nicht einfach selbstverständlich, dass ein so kleines Volk in einem so kleinen Land so viele Jahrhunderte überdauert habe, sagte er mit Blick auf die inzwischen 714-jährige Geschichte der Eidgenossenschaft und die mehr als 150 Jahre des modernen Bundesstaats. Es sei jedoch möglich, die Erfolgsgeschichte Schweiz auch in Zukunft fortzuschreiben, wenn «wir uns selbstbewusst, offen und zupackend bewegen».

Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) zeigte in seiner Rede Verständnis für die drückenden Alltagssorgen vieler Mitmenschen und verwies auf die grossen politischen Herausforderungen, die sich gerade auch bei den Sozialwerken, den Bundesfinanzen, auf dem Arbeitsmarkt oder im Bereich der Bildung und Forschung stellten.

«Und trotz allem müssen wir uns eingestehen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: Wenn wir klagen – und wir klagen zu viel -, dann klagen wir auf einem relativ hohen Niveau ...», sagte er. Die Schweiz habe eine stolze Geschichte und verdanke den Vorfahren viel. «Tun wir, was auch sie immer taten. Schauen wir selbstbewusst nach vorn!».

Für die Schweiz seien Werte wie Leistungsbereitschaft, Selbstvertrauen und Respekt entscheidend, sagte Schmid. Und ebenso der Wille zur Integration. «Aussenpolitisch gehen wir den bilateren Weg weiter», sagte er mit Blick auf die Abstimmung von 25. September. «Die bilateralen Abkommen bewähren sich.»

«Der Schweiz geht es gut! Noch immer gut!», sagte Schmid. Wachsamkeit und Gelassenheit müssten allerdings auch in Zukunft jenes Fundament bilden, das es – gerade auch mit Blick auf terroristische Bedrohungen – erlaube, ein nächstes Kapitel in der Erfolgsgeschichte der Schweiz zu schreiben. Er freue sich auf dieses Kapitel – «Schreiben wir es gemeinsam!».

Brunch und Bundeshaus

Rund 3000 Personen haben am Nationalfeiertag das Bundeshaus besucht. Am Tag der offenen Tür vom Montag hatten sie Gelegenheit, Ständeratspräsident Bruno Frick (CVP/SZ) und Nationalratspräsidentin Thérèse Meyer (CVP/FR) Fragen zu stellen.Mit Zopf, Butter und Honig vom Hof haben sich am 1. August rund 200000 Gäste beim «Brunch auf dem Bauernhof» verwöhnen lassen. Rund 430 Bauernfamilien luden bei strahlendem Sommerwetter zum «Zmorge».

Tödlicher Sturz

Eine 28-jährige Bernerin ist in der Nacht auf Montag während einer privaten 1.-August-Feier in der Berner Vorortsgemeinde Köniz über eine 30 Meter hohe Fluh gestürzt und getötet worden. Sie hatte sich nach den bisherigen Erkenntnissen gegen 1 Uhr von der Festgesellschaft auf einem Bauernhof entfernt und war in der Folge – offenbar in Unkenntnis der örtlichen Situation – über den Abgrund hinaus geraten.
play Der Schweiz gehe es gut, so der Bundespräsident. Ihm offensichtlich auch: Samuel Schmid. (Keystone)

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