Art Furrer: «Wir haben derzeit in den Bergen Winter im Sommer»

  • Publiziert: 12.07.2007, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Interview Martin Meier

FIESCH VS – Der Absturz der sechs Soldaten macht Skilegende Art Furrer (70) betroffen. Der Hotelier und Bergführer absolvierte seinen Dienst selbst in der Gebirgskampfschule – als Instruktor und Oberleutnant.

BLICK: Die Rekruten wurden von einem Schneebrett mitgerissen. Muss man im Sommer überhaupt damit rechnen?
Art Furrer:
«Wir haben in den Bergen derzeit Winter im Sommer. Da muss man an exponierten Lagen immer mit Schneebrettern und Lawinen rechnen. Verschärfend kommt hinzu, dass wir in den vergangenen Tagen starken Westwind hatten. Der blies den Schnee Richtung Aletschgletscher. In steilen Hängen bildeten sich Wächten. Der Schnee wurde tief und schwer, man sagt dem auch, der Hang ist ‹geladen›. Er kann jederzeit abreissen.»

In den letzten Tagen gabs viel Neuschnee. Sollte man da nicht besser auf eine solche Tour verzichten?
«Wenn Neuschnee liegt, sind Berge immer unberechenbar. Im Zweifelsfall sollte man nicht losmarschieren. Auch herrscht derzeit erhöhte Lawinengefahr.»

Wie gefährlich ist der Aufstieg zur Jungfrau?
«Bis zum Rottalsattel ist der Aufstieg eine einfache, klassische Hochtour. Es gibt nur zwei bis drei mittelschwere Kletterstellen. Danach ist es eine anspruchsvolle klassische Bergtour.»

Bergführer nehmen auf dieser Route meist nur einen Gast ans Seil. Ist es da nicht gefährlich für eine Dreierseilschaft?
«Die Dreierseilschaft ist die klassische Form im Bergsteigen. Auf dem Gletscher ist eine Dreierseilschaft sicherer. Nicht aber im steilen Gelände. Dort mag ein Bergführer einen Gast halten, zwei weniger. Aber gegen ein Schneebrett hat man sowieso keine Chance.»

Sind Gebirgsspezialisten genügend ausgebildet, um solche Hochtouren zu absolvieren?
«Für mich ist das schwer zu beurteilen. Zu meiner Zeit waren wir sehr gut ausgebildet. Wie das heute ist, weiss ich nicht.»

Sie waren am Unfalltag in Zermatt. Wie waren dort die Verhältnisse?
«Wir wollten auf einen leichten Viertausender. Wir sind aber gar nicht erst losgezogen, sondern gingen wandern. Die Verhältnisse beurteilte ich als sehr prekär. So weiss, wie sich das Matterhorn präsentierte, habe ich es den ganzen Winter nie gesehen.»

play Art Furrer: «So weiss, wie sich das Matterhorn präsentierte, habe ich es den ganzen Winter nie gesehen.» (Alby Lambrigger)

Top 3

1 Drei Tote im Kandertal Heli touchierte Drahtseilbullet
2 BLICK zitiert den Luzerner Staatsanwalt «Die kaltblütigste IV-Betrügerin!»bullet
3 Betrug ruiniert Rentner «Wir haben unser Erspartes in sie investiert!»bullet

Schweiz